Review: Code Vein 2 – Weniger Leitern und viel mehr Story

Nach dem soliden Erstauftritt in 2019, konnten wir neben einer umfangreichen Preview Session, jetzt auch mehrere Wochen mit der finalen Version von Code Vein 2 verbringen. Ob der Titel wirklich jemanden außer eingefleischten Fans überzeugen kann und was wir alles in guten 30-40 Spielstunden erlebt haben, findet ihr wie immer hier im Test heraus.

Der neue Fokus auf die Charaktere und Welt

Code Vein 2 erzählt eine komplexe Geschichte, in der die Charaktere durch Blut, Schicksal und Bestimmung miteinander verbunden sind. Die Handlung spielt in einer Zukunft, in der die letzten Menschen und die Revenants in einer Welt am Rande des Zusammenbruchs ums Überleben kämpfen. Nach dem plötzlichen Auftauchen einer Bedrohung namens Luna Rapacis verlieren viele Revenants den Verstand und verwandeln sich in gefährliche Kreaturen, die als Horrors bekannt sind.

Heiße Quellen nehmen einen erschreckend großen Teil der Geschichte ein

Die Spielenden übernehmen die Rolle eines Revenant-Jägers und werden von einem geheimnisvollen Mädchen namens Lou begleitet, das die Fähigkeit besitzt, in die Vergangenheit zu reisen. Gemeinsam greifen sie in entscheidende historische Ereignisse ein, um das Schicksal wichtiger Revenants zu verändern, Geheimnisse aufzudecken und den Lauf der Geschichte neu zu schreiben. Lou opfert zudem einen Teil ihres Herzens, um den Protagonisten zu retten. Im Gegensatz zum Vorgänger, sind die Beziehungen zu den einzelnen Charakteren über mehrere Zeitebenen erzählt und gehen mit allen Nebenaufgaben inkludiert, sehr in die Tiefe. Gerade gegen dem Ende der Geschichte nach guten 20 Stunden, ist es essenziell die meisten Blut-Codes und Charakteraufgaben bis zum finalen Kapitel abgeschlossen zu haben. Code Vein 2 verknüpft hier sehr gekonnt aufwendig in Szene gesetzte Charakterentwicklungen, mit spielerischen Belohnungen, die euch besondere Upgrades, Fertigkeiten und co. liefern.

Jeder Partner hat nicht nur seine eigenen Fähigkeiten im Kampf. Ihre Blutcodes sind auch sehr auf eigene Builds spezialisiert und lassen sich mit verbesserten Beziehungen zu den Charakteren und genügend XP aufleveln.

Die Geschichte selbst wechselt regelmäßig zwischen den einzelnen Beziehungen von eurem Charakter zum jeweiligen Partner und der eigentlichen Hauptgeschichte. Wer den Vorgänger gespielt hat, wird die Anime Klischees schon gewohnt sein. Leicht bekleidete Protagonistinnen, heiße Quellen zum Teilen als wichtiger Storybestandteil, überdimensionierte Proportionen in alle Richtungen und vieles mehr. Dafür überzeugen Beziehungen die ihr zu den Charakteren aufbauen könnt, umso mehr. Um nicht all zu viel zu verraten: Ihr könnt das Spiel an sich nach guten 20-25 Stunden beenden. Es geht hier aber dann noch lange nicht in ein New Game+ über, da man in der gesamten Spielwelt noch Einiges zu entdecken hat.

Etwas Liebe zum Detail findet sich dann doch an manchen versteckten Plätzen

Das Wechseln zwischen den verschiedenen Zeiten ist sehr simpel und schnell gestaltet. Durch farbliche Markierungen wisst ihr immer, ob ihr euch gerade in der korrekten Zeit befindet, um die jeweilige Aufgabe überhaupt starten zu können. Vieles davon beschränkt sich zwar nur auf wiederholende Bosskämpfe oder Suchaufgaben, die durch die etwas mühselig gestaltete Karte nicht immer so einfach sind, aber dafür warten immer vollständig synchronisierte Zwischensequenzen und gute Belohnungen. Ein interessantes Detail an den verschiedenen Zeiten: Verlorenes Haze (XP) kann zwar nicht aus einer Boss Arena geholt werden ohne den Kampf zu starten, aber dafür genau am identen Platz, in einer anderen Zeit. Auch manche Aufgaben und Gebiete sind nur in der korrekten Zeit erreichbar, was gut im gesamten Spiel berücksichtigt und integriert wurde.

Der letzte Feinschliff fehlt mal wieder

Wie auch schon im Vorgänger, sind viele Ideen der Entwickler sehr ambitioniert und sehr spannend umgesetzt. Eine offene Welt mit verschiedenen Zeiten, wechselnden Varianten von Schauplätze und auch noch verknüpft mit so vielen Charakter Storysträngen, ist bemerkenswert und hat in dieser Form maximal Elden Ring auf die Beine gestellt. Mit dem direkten Vergleich zu Elden Ring und anderen Ablegern des Soulslikes Genres, stechen aber sehr viele Mankos im Spielfluss heraus. Code Vein 2 spielt sich großteils sehr träge, schafft im Performance Modus auf der PS5 kein konstant angenehmes Spielerlebnis und der verwendete Artstyle inklusive Engine, bringt neben einigen schönen Erlebnissen, auch viele unschöne Umgebungen mit sich. Die bereits erwähnte schlecht durchdachte Karte, inklusive dem Weltenaufbau, wird durch ein sehr starres Motorrad als Begleiter nochmals unterstrichen.

An Waffenauswahl fehlt es dem Spiel definitiv nicht

Wir haben zwar das Feature bereits im Preview sehr genossen, euch den bisher absolvierten Weg anzeigen zu lassen um das Erkunden von Höhlen und Gebäuden zu erleichtern, aber dafür fehlt eindeutig ein Wegweiser bzw. eine deutliche Unterscheidung von Aufgaben im Untergrund oder auf Erhöhungen. Manche sperrige Gebietsstrukturen, machen die Suche nach dem genauen Weg zur nächsten Aufgabe dann auch oftmals zu einer Tortur.

Es gibt so viele Ressourcen, Fähigkeiten und vieles mehr im Spiel, mit denen ihr euch laufend auseinander setzen solltet um das meiste aus eurem Build herauszuholen.

Formae und Jails, erweisen sich auch über die doch recht üppige Spielzeit von 30-40 Stunden als nette Ergänzungen um mit den unzähligen Blut Codes und Waffensets, euren personalisierten Build zu kreieren. Bei den offensiv und defensiv Formae hält sich die Vielfalt etwas in Grenzen, dafür könnt ihr zumindest die defensive Variante genauso wie eure Waffen, in jeder Menge Elementar-Variationen transformieren. Wirklich notwendig war für uns allerdings kaum ein Wechsel von Builds. Bis auf 2-3 Bosse, kann man sich auch wieder recht gedankenlos mit einem Zweihandschwert durchprügeln. Dennoch könnt ihr euch mit vielen neuen Waffen, Zaubern oder dem Bogen auf Fernkampf spezialisieren. Bei den Bossen merkt man doch recht stark, dass man hier mit denselben Problemen wie auch schon FromSoftware in Elden Ring zu kämpfen hatte. Bei so einer umfangreichen Geschichte und Welt, müssen einige Gegner und Bosse wiederholt werden. Code Vein 2 fehlt es hier aber, bis auf die gelungene Optik, leider zusätzlich an wirklich stark herausstechenden Bosskämpfen. Die bereits im Preview erwähnte schlechte Kameraführung trägt hier zusammen mit den überschaubaren Move Sets am meisten zu unserer Kritik bei. Hier konnte man sich leider am wenigsten vom Vorgänger abheben.

Die Balance der einzelnen Bosskämpfe lässt gesamt sehr zu wünschen übrig. Man muss bis auf sehr wenige Ausnahmen kaum seinen Build überdenken, was viele Gegnergruppen und Bosse zum Kanonenfutter für L2 drücken macht. Man kann sich zwar das Spiel immer noch schwerer machen, indem ihr eure Partner nicht dazu holt, aber das beschert keine aufregenderen/auf den Spieler abgestimmte Angriffe.

Sound und Technik leider nur Mittelmaß

Eine weitere große Enttäuschung ist das Sounddesign des Spiels. Tragende Storyelemente werden fast ausschließlich mit demselben kurzen Theme untermalt. Von der riesigen Masse an Bosskämpfen, bleibt kaum ein Stück in Erinnerung. Besonders ärgerlich erweist sich das, während dem Erkunden der Welt mit dem Motorrad. Die kaum vorhandene musikalische Untermalung, lässt die Welt leer und nicht lebendig wirken. Viele Gebiete machen hier zusätzlich auch optisch wenig her, da sie nur mit kleinen Gegner Grüppchen und Blumen zum Einsammeln verteilt, dekoriert sind.

Bezüglich der Framerate hoffen wir noch auf ein wenig Besserung zum offiziellen Launch per Day One Patch. Momentan ist kaum ein Unterschied zwischen Graifkmodus und Performance Modus auf der PS5 erkennbar und gerade wenn man ein paar Gegner von Raum zu Raum mit sich zieht, bricht die Framerate komplett ein. Zusätzlich clippen auch weiterhin wie in der Preview Fassung Kleider und einige Gesichtsdekos in allen möglichen Gegenständen. Gerade in Zwischensequenzen lenkt das stark ab. Generell leidet das Spiel an sehr vielen Kleinigkeiten, was auch schon im Vorgänger ein Thema war. Ein plakatives Beispiel dafür ist die seltsame Entscheidung den Button für das Überspringen von Dialogen und dem Aufheben von Gegenständen auf der PS5 beide Male auf R1 zu setzen.

Fazit

Code Vein 2 ist größer, umfangreicher und weitaus storylastiger als sein Vorgänger. Leider hat man großteils kaum aus den Fehlern des letzten Teils gelernt und scheitert sehr oft an den eigenen Ambitionen. Wer mit Code Vein seinen Spaß hatte, kann hier ohne Bedenken zugreifen. Für den Rest wartet hier ein etwas durchwachsenes Anime Elden Ring mit einer sehr gelungenen Geschichte und jeder Menge Charakterentwicklung, was sich leider etwas zu viel vornimmt.

  • Fesselnde Geschichte mit jeder Menge an Charakterentwicklung
  • Jails, Formae und Blut Codes bringen etwas frischen Wind ins Gameplay
  • Charakter Editor überzeugt auch wie schon im Vorgänger
  • Einige nette Geheimnisse und jede Menge Loot in der Welt verteilt
  • Mittelmäßige Performance in beiden Modi auf der PS5
  • Gegnervielfalt und Bossvariationen trotz einiger netter Designs sehr überschaubar
  • Furchtbares Sounddesign
  • Kartenführung und Möglichkeiten die Welt zu erkunden eher weniger intuitiv ausgefallen
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Written by: Gabriel Bogdan

Redaktionsleiter/Vernichter von Cornflakes und Vollzeit Gamer

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