Review: Borderlands 3 – Ist verrückter auch gleich besser?

Lange mussten sich Fans der Borderlands-Reihe aus dem Hause Gearbox gedulden, ehe man den numerisch dritten Teil offiziell ankündigte. Die Erwartungen waren riesig, denn neben zwei offiziellen Ablegern sowie einem Pre-Sequel und einem Spin-off Marke Tales from the Borderlands war alles angerichtet, um nun endlich die Welt außerhalb Pandoras zu erkunden. Mit vier neuen Kammerjägern ist man am 13.September 2019 in die vorerst finale Runde gestartet, auf der Suche nach der großen Kammer. Wie sich das verrückte Abenteuer mit seiner Bazillion an Waffen bei uns im Test geschlagen hat, das lest ihr jetzt!

Eine Sirene kommt selten allein

Die Handlung von Borderlands 3 knüpft direkt an die Geschehnisse von Teil 2 an, wo ihr euch auf dem Wüstenplaneten Pandora wiederfindet. Sanctuary ist nicht mehr, weswegen sich die Crimson Raiders neu gruppieren müssen, denn es gilt die zahlreichen Kammern im Universum zu öffnen, die dem Spieler am Ende vom Pre-Sequel offenbart wurden. Doch diese Rechnung hat die Anführerin Lilith, ihres Zeichen Sirene und Kammerjäger der ersten Stunde, offenbar ohne die beiden Calypso Zwillinge Tyreen und Troy gemacht. Diese sind als Endzeit-Influencer in der ganzen Galaxie bekannt und haben so ziemlich alle Banditen-Clans unter sich versammelt. So dauert es nicht lange, bis sie erstmals selbst auf den Plan treten und dabei der Welt offenbaren, dass mit ihnen nicht zu spaßen ist. Mithilfe ihrer Sirenen-Fähigkeit gelingt es Tyreen, Lilith ihrer Kräfte zu entrauben womit diese fortan ein Dasein als Normalsterbliche fristen muss. Machthungrig hat das dynamische Duo vor, sämtliche Kammern im Universum zu öffnen um so zu Göttern aufzusteigen. Deswegen ist die Marschrichtung klar: Vor ihnen die Kammern öffnen und den beiden Einhalt gebieten. Leichter gesagt als getan und so müsst ihr in der Haut eines der vier neuen Kammerjägern, dem Agenten Zane, der Schützin Moze, der Sirene Amara oder dem Bestienmeister FL4K in die Bresche springen.

Das neue Kammerjäger-Quartett weiß ordentlich auszuteilen

Eine Reise durch die Galaxis

Während in den Teilen zuvor zweimal Pandora sowie einmal der Mond im Mittelpunkt standen, so beschreitet man in Borderlands 3 nun neue Wege. Was zunächst in der Einöde der Borderlands anfängt, weitet sich im Laufe des Spiels auf drei weitere Planeten aus. Neben dem futuristischen Promethea bereist ihr auch die idyllische Heimat der Sirene Maya auf Athenas und die gefährliche Wildnis von Eden-6. Als Basis fungiert hierbei euer Raumschiff, das passenderweise den Namen Sanctuary trägt. Was auf dem Blatt Papier nach Abwechslung pur aussieht, wird von der harten Realität früh zerstört. Denn eure ersten beiden Anlaufstellen auf Promethea und Athenas haben mehr den Charakter von Schlauchlevels, als von frei erkundbaren Oberflächen. Besonders die Heimat von Maya  fällt trotz seiner schönen Optik im Vergleich zu den anderen Gebieten mickrig aus. Erst auf Eden-6 lässt Borderlands 3 seine Muskeln spielen und überzeugt mit weitläufigen und unterschiedlichen Gebieten. Doch der Weg dahin ist ein steiniger, denn auch in Sachen Bosse und Gegner bekleckert sich der neue Ableger nicht unbedingt mit Ruhm.

Athenas, Heimat der Sirene Maya

Wer als Kammerjäger alleine durch die Landschaft streift, der wird besonders zu Beginn des Abenteuers regelmäßig an Munitionsarmut leiden. Entgegen seinen Vorgängern enthalten Beutekisten nicht mehr Munition, die auf eure ausgerüsteten Waffen zugeschnitten sind, sondern ist nun zufällig generiert. Auch das Geld, das euch früher noch so hinterhergeschmissen wurde, ist diesmal rar gesät und so ist es stets ein kostspieliges Unterfangen, seine Vorräte aufzufüllen. Das erschwert die Feuergefechte enorm, denn davon erlebt ihr während den Story-Missionen reichlich. Kaum ein Raum ist nicht von Feinden durchflutet und berücksichtigt man das Erscheinen von mehreren Gegnerwellen, dann kann es schon einmal vorkommen, dass die Magazine leergeschossen sind, ehe der letzte Widersacher das zeitliche gesegnet hat. Dies wäre an und für sich kein Problem, denn in Borderlands steht zum Glück um jede Ecke ein Verkaufsautomat. Diesem erfreulichen Umstand hat man sich in Teil 3 bedauerlicherweise entledigt. In den meisten Gebieten findet ihr lediglich zu Beginn die altbewährten Automaten von Dr. Zed und Marcus, ansonsten seid ihr zur Gänze auf euch allein gestellt. Das betrifft auch die Bosskämpfe, in der die einzige Möglichkeit an aufgefüllte Waffen zu kommen der ist, selbst ins Gras zu Beißen. Das kann besonders bei hartnäckigen Widersachern zu einige Frustmomente führen, denn diese starten jeden Versuch erneut mit vollem Lebensbalken.

Wer die Wahl hat, hat die Qual! Bei so vielen Waffen kein Wunder

Von Nebenmissionen und Herausforderungen

Wer mal genug von der Story hat, der konnte in den unterschiedlichen Ablegern bei zahlreichen Nebenmissionen entspannen. Die erste Anlaufstelle war dabei stets das schwarze Brett, das in Borderlands 3 keine Verwendung mehr findet. Nebenmissionen sind dort nämlich rar gesät und diese beschränken sich entweder darauf, ein bestimmtes Ziel zu töten oder sind in den weitläufigen Arealen zu finden. Vielmehr liegt der Fokus diesmal auf sogenannten Crew Herausforderungen, die von Gebiet zu Gebiet unterschiedlich ausfallen. Mal gilt es ein Gelegenheitsziel von Zer0 zu eliminieren, einem legendären Jagdmonster von Sir Hammerlock den Gar aus zu machen oder schlichtweg für Ellie ein Fahrzeug zu stehlen. Moxxi hingegen verlangt von euch, Radiotürme zu erklimmen um die Propaganda der Calypso-Zwillinge zu unterbinden und Claptrap? Nun ja, der sammelt brauchbare Accesoires seiner verstorbenen Roboter-Freunde, die  gut versteckt sind. Zu guter Letzt beinhaltet jedes Gebiet auch drei Typhon Logs für Tannis, die sofern ihr alle gefunden habt, den Zugang zu einem geheimen Waffendepot preisgeben. Was am Anfang noch motivierend ausfällt jedes Areal bis ins kleinste Detail zu erkunden, wird im Laufe des Spiels immer mehr zur Last für wissbegierige Kammerjäger. Vor allem in Anbetracht der immer größer werdenden Abschnitte machte sich schnell ein Gefühl von Übersättigung breit, was den Spielspaß drückte. Eine positive Erwähnung findet hier zumindest das Catch-A-Ride System, das ihr um eine Vielzahl an Fahrzeugteilen erweitern und somit euren eigenen fahrbaren Untersatz zusammenschrauben könnt. Auch das Schnellreisesystem wurde überarbeitet und ist nun jederzeit abrufbar, womit ihr euch bequem zu den einzelnen Stationen oder direkt zu eurem Vehikel teleportieren lassen könnt.

Auch neue Monster wie die Saurier sind auf den diversen Planeten beheimatet

Ebenfalls den Spielspaß drückte auch die Performance von Borderlands 3. Zahlreiche Abstürze während Cutscenes oder Feuergefechten pflasterten unseren Weg. Auch wenn der Einstieg in den meisten Fällen flott erfolgte und die Speicherpunkte großzügig verteilt sind, so hinterlässt dies dennoch einen bitteren Beigeschmack. Besonders im Splitscreen-Coop mussten wir vermehrte Einbrüche der Framerate wahrnehmen, sofern einer der Spieler das Menü oder einen Shop öffnete. Auch der Wechsel zwischen dem Resolution- und Performance- Modus verläuft nicht flüssig und bringt selbst die Xbox One X und die Playstation 4 PRO an ihre Grenzen.

Rhys wird diesmal leider nicht von Handsome Jacks Geist beraten, hat dafür aber zumindest einen Schnauzer

Ein Wiedersehen mit alten Freunden

Trotz all den spielerischen Veränderungen freuen sich vor allem die langjährigen Fans der Serie auf ein Wiedersehen mit alten Bekannten aus allen Ablegern der Reihe. Besonders Rhys, der Protagonist aus Tales from the Borderlands und Ex-Mitarbeiter von Hyperion hat einen erstaunlichen Karrieresprung vollzogen und ist mittlerweile Inhaber der Atlas-Corporation. Auch Serien Liebling Tiny Tina ist wieder mit am Start und hat nichts von ihrem sadistischen Humor eingebüßt. Doch auch mit neuen Charakteren und Gegenspielern geizt Borderlands 3 nicht, die den serientypischen Charme perfekt einfangen können und zu überzeugen wissen. Dennoch haben auch zahlreiche Kammerjäger und Nebencharaktere nicht den Sprung ins Spiel geschafft, denn von Fan-Lieblingen wie der taffen Abenteurerin Fiona, der kriegerischen Athena oder dem verrückten Gunzerker Salvador fehlt jegliche Spur. Damit ruhen die Hoffnungen vieler Fans auf den kommenden DLCs, die womöglich auf weiteren Planeten stattfinden könnten.

Tiny Tina gibt es nur noch im Dreierpack gemeinsam mit Brick und Mordecai

Auf den Pandora-War folgt das Endgame

Nach rund 30 Stunden, die man für das Durchspielen von Borderlands 3 benötigt, ist noch lange nicht alles erforscht und gesehen. Wer erneut in die Kampagne eintauchen möchte, kann dies wie gewohnt mit dem wahren Kammerjäger-Modus bewerkstelligen, das als eine Art Neues Spiel + fungiert indem  sich die Gegner eurem Level anpassen und gar in stärkerer Form auftauchen. Neu hinzukommt aber der Mayhem-Modus, wo sich die Qualität der gefundenen Ausrüstung um 200% verbessert, eure Gegner aber wiederum auch einen gehörigen Schub an Energie und Schild erlangen. Damit ihr für solche Taten auch bestens gerüstet seid, schaltet sich nach Abschluss der Kampagne der Wächter-Rang frei. Dieser ist das Äquivalent zum Badass-Rang aus Teil 2 und ermöglicht es euch, die Errungenschaften eurer bisher vollbrachten Leistungen sinnvoll in zusätzliche Punkte zu investieren. Diesmal ist jedoch mehr Tiefgang verspochen, denn auch beim Wächter-Rang könnt ihr zwischen drei unterschiedlichen Talenten wählen.

Auch dicke Bosse haben den Weg in Spiel gefunden, nur leider nicht ins Endgame

Doch auch für reichlich Action abseits der Handlung ist gesorgt! Im Ring des Gemetzels tretet ihr in mehreren Runden gegen diverse Gegnerwellen an und könnt bei erfolgreichem Beenden mit wertvoller Ausrüstung rechnen. Moderiert wird das ganze vom Badassigsten Badass in den Borderlands, Mr. Torgue persönlich.  Ähnlich verhält es sich hier auch bei den Prüfungsgeländen, die ihr am besten kooperativ bestreiten solltet! Innerhalb eines Zeitlimits gilt es dort drei Gegnerwellen und einen anschließenden Boss zu bezwingen, denn erst dann winkt wie gewohnt eine saftige Belohnung. Wer an dieser Stelle aber die Hoffnung hegt, dass wie im Vorgänger ein Raid-Boss zum Finale des Endgames auf den Plan tritt, den müssen wir leider enttäuschen. Diese sollen laut Gearbox erst in den DLCs nachgereicht werden, womit ein ähnliches Duell wie mit Terramorpheus dem Unbesiegbaren in Borderlands 2 bedauerlicherweise ausfällt.

Fazit

Alle guten Dinge sind drei. Dies trifft diesmal leider nicht auf Borderlands 3 zu, denn Gearbox schafft es, zahlreiche angenehme Spielelemente aus den Vorgängern zu streichen. Übrig geblieben sind lieblos wirkende Open World Gebiete, die nur von der Verrücktheit seiner charmanten Charaktere am Leben gehalten werden.

Street Fighter Collection Wertung

Positiv:

+ serientypischer Charme

+ enorme Spielzeit

+ angenehmes Schnellreisesystem und kurze Ladezeiten

+ großflächige Areale…

Negativ:

– …die kleine Dungeons verdrängt haben

– Story wirkt unnatürlich in die Länge gezogen

– Munitionsknappheit bestraft Einzelspieler -> wenige Verkaufsautomaten vorhanden

– Bosskämpfe sind teilweise uninspiriert und unfair

– Zahlreiche Framerate-Einbrüche bis hin zum Absturz der Konsole bei überladenen Feuergefechten

– kein Handsome Jack

– kein Raid-Boss im Endgame vorhanden

Borderlands 3 ist am 13.September 2019 für PC (exklusiv im EPIC Games Store), Playstation 4 und Xbox One erschienen.

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Written by: Manuel Barthes

Ehemaliger freier Redakteur bei Cerealkillerz