Review: Assassin’s Creed Black Flag Resynced – Kann das Rework den Erwartungen gerecht werden?

Wir hatten die letzten Wochen die Möglichkeit, das Rework vom Fan Favoriten des Franchises Assassin’s Creed 4 Black Flag ausgiebig für euch zu testen. Ob Ubisoft das Rework gelungen ist und ob es dem hohen Anspruch des Vorgängers gerecht werden kann, erfahrt ihr bei uns im Test.

Wer war dieser Edward noch gleich?

Für alle, an denen das Meisterwerk der Reihe 2013 vorbeigegangen ist, fassen wir kurz das Wesentliche zusammen.

Das erstmals in Assassin’s Creed 3 erschienene, neue und erfrischende Schiffsgameplay hatte schnell viele Fans. Aus dem Grund war es wenig verwunderlich, dass der nächste Teil der Reihe seinen Fokus darauf legte und in der Karibik des frühen 18. Jahrhunderts spielte.

In Assassin’s Creed 4 Black Flag schlüpft ihr in die Rolle des charmanten Freibeuters Edward Kenway, der nach einem gescheiterten Überfall auf ein anderes Schiff gemeinsam mit dem Assassinen Duncan Walpole, der sich auf besagtem Schiff befand, an Land einer Insel gespült wurde. Bevor man ihn als Edward zur Strecke bringt, stellt sich heraus, dass er dabei war, Informationen der Assassinen an die Templer zu verkaufen. Edward, der sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen wollte, schlüpfte in die Persona und Kleidung von Walpole, um diesen Deal an seiner Stelle abzuschließen und so seinem Lebensziel, reich zu werden, näherzukommen. Wie weitreichend die Übergabe der Informationen an die Templer tatsächlich ist, wird Edward erst sehr langsam bewusst.

Man bekommt relativ schnell Zugriff auf sein eigenes Schiff, die Jackdaw, und bereist damit mit Fokus auf Havanna, Kingston und Nassau die Open World der Karibik. Black Flag ist der erste Teil des Franchises, der neben dem Assassinen Gameplay erstmals einen großen Fokus auf ein zweites Gameplay Element legt, nämlich die Schifffahrt und das Managen der dazugehörigen Crew.

Unser Review zum Original haben wir euch hier verlinkt.

Was ist Resynced?

Mit Resynced bringt Ubisoft das erste richtige Rework der Reihe heraus. Diesmal setzt es dabei auf die in Assassin’s Creed Shadows verwendete Anvil Engine. Neben dem optischen Rework gibt es jede Menge neuen Content (6h+) sowie Ergänzungen, wobei aber versucht wurde, so nah wie möglich am Original zu bleiben.

Das Spiel wird ab dem 09.07. in drei Versionen erhältlich sein: der Standard Edition für 59,99 €, der Deluxe Edition für 69,99 € sowie einer physischen Collector’s Edition. Alle Details zu den Inhalten der einzelnen Editionen findet ihr in unserem separaten Artikel dazu.

Assassin’s Creed Black Flag Resynced erscheint für PS5, Xbox Series X|S und PC, während das Original trotz des Reworks weiterhin regulär erhältlich bleibt.

Was bleibt, was fehlt, was neu dazukommt

Taktischer, aber ohne die Klingen

Gameplaytechnisch ist die größte Änderung das Rework des Kampfsystems. Das neue System setzt vor allem auf eine Parry/Perfect Parry Mechanik anstatt wie im Original auf Counter Kills. Gerade durch die Neuerung, dass die Gegner ihre Kampfweise an das Verhalten des Spielers anpassen, sorgt das neue System für dynamischere Kämpfe. Im Detail heißt das zum Beispiel, wenn man wie im alten Teil auf Angriffe wartet, um die Gegner dann mit einem Counter Attack niederzustrecken, reagieren die Gegner mit unparierbaren Attacken. Genauso werden die Gegner mehr parieren, blocken und ausweichen, wenn man permanent in die Offensive geht. Das sorgt dafür, dass man als Spieler deutlich taktischer denken muss. Man kann auch nicht mehr permanent Parry Attacks spammen, da die Kettentakedowns (nach einem perfekten Parry kann man direkt den nächsten Gegner takedownen) je nach ausgerüsteter Waffe eine begrenzte Anzahl haben. Dazu kommen neue Mechaniken wie Dodge Attacks und Heavy Attacks, die je nach verwendetem Waffentyp unterschiedliche Attacken auslösen. Zudem hat man die Möglichkeit, quasi Fähigkeiten wie zum Beispiel einen Fußfeger, Rauchbomben oder, nach Freischaltung, den Seildart einzusetzen.

Zu all diesen Änderungen gibt es zusätzlich drei neue Gegnerarchetypen. Was euch dabei erwartet, lassen wir euch aber selbst herausfinden.

Für mich persönlich fühlt sich das neue System deutlich besser an als das Original, aber auch besser als das System der neueren Assassin’s Creed Teile. Es ist eine wirklich gelungene Mischung aus beiden Ansätzen. Es fühlt sich nicht so zäh an wie in den neueren Teilen, wo man am Ende oft nur den Lebensbalken der Gegner bekämpft, aber gleichzeitig ist auch nicht mehr jeder Gegner egal welcher Art mit einem einzigen Konter erledigt. Dadurch, dass die Gegner sich anpassen, wird man regelrecht gezwungen, Abwechslung in die eigenen Kämpfe zu bringen, statt wie im Original einfach zu warten, bis die Gegner angreifen, und dann alles mit Kontern niederzustrecken.

Sehr schade ist allerdings, dass die Möglichkeit fehlt, die ikonischen versteckten Klingen außerhalb von spezifischen Takedowns oder dem überarbeiteten Stealth Modus aktiv zu benutzen. Das stößt gerade in der Community auf Unmut, da viele mit den Klingen das Assassinen Gameplay assoziieren.

Persönlich habe ich sie ehrlich gesagt nicht sonderlich vermisst, da gerade in den wichtigen Bereichen wie Stealth und Takedowns weiterhin auf sie zurückgegriffen wird. Trotzdem schränkt es die Waffenwahl dadurch spürbar weiter ein, im Kern bleiben einem quasi nur Rapier und Säbel, jeweils auch nur in doppelter Ausführung.

Kleine Änderung, große Wirkung

Die größte Änderung an der Stealth Mechanik ist ein dedizierter Button, um in die Hocke und somit in den Stealth Modus mit dazugehörigem Sichtbarkeitsmeter zu gehen. Im Original war man darauf beschränkt, nur in Büschen und Ähnlichem Deckung suchen zu können.

Für mich fühlt sich das deutlich besser an. Es ist eine so simple, aber gleichzeitig so wirkungsvolle Verbesserung, um sich als Spieler einfach verstohlener zu fühlen.

Eine weitere Neuerung ist, dass Verfolgungsmissionen und Ähnliches bei Entdeckung nicht mehr direkt fehlschlagen wie im Original, sondern man stattdessen einen alternativen Missionsverlauf erhält.

Das verbessert den Spielfluss deutlich und sorgt für spürbar weniger Frust. Außerdem entsteht dadurch nicht mehr der Eindruck, dass man eine Mission nur auf genau einem vorgegebenen Weg abschließen kann.

In Resynced wird versucht, beim Parkour so nah wie möglich am Original zu bleiben. Man hat aber die Möglichkeit, in den Einstellungen den Advanced Parkour einzuschalten, um mehr Kontrolle über seine Bewegungen zu haben (Side/Back Ejects, manuelle Sprünge), die sich dadurch noch flüssiger anfühlen.
Auch die aus anderen Teilen bereits bekannten neuen Ziplines sorgen für mehr Möglichkeiten, sich schneller fortzubewegen.

Ergänzend dazu wurde die Eagle Vision um den Observer Mode aus AC Shadows erweitert. Damit habt ihr jetzt die Möglichkeit, Points of Interest und Gegner heranzuzoomen, um sie auch außerhalb der Eagle Vision zu markieren.

Neben den großen strukturellen Änderungen im Kampf und Stealthsystem bringt Resynced eine Reihe kleinerer, aber spürbarer Ergänzungen mit. Darunter die Möglichkeit, an jedem Ort nach Belieben zu tauchen, eine Autofollow Option in Missionsdialogen oder dass der Seildart bereits ab Sequenz 3 statt 11 freigeschaltet wird.

Die Jackdaw sticht wieder in See

Obwohl sich das Schiffsgameplay im Original schon ausgesprochen gut angefühlt und ausgesehen hat, gibt es auch hier einige Neuerungen. Die offensichtlichste ist, dass wir jetzt eine fast nahtlose Open World genießen dürfen. Das bedeutet keine Ladescreens mehr bei Städten und Ähnlichem. Hinzu kommt eine Routenfunktion zu markierten Punkten, also quasi ein Navi, sowie bei Bedarf ein Autopilot zu den markierten Punkten.

Die offene Welt wirkt dabei wunderschön und immersiv. Das Autopilot Feature selbst habe ich allerdings generell wenig genutzt, außer wenn ich mal kurz weg vom Bildschirm musste.

Das dynamische Wetter beeinflusst jetzt nicht mehr nur wie im Vorgänger optisch die Jackdaw, sondern auch die Physik des Schiffes. Durch die drei neuen rekrutierbaren Offiziere, die jeweils auch eine eigene neue Questline mitbringen, schaltet man für die Jackdaw neue Fähigkeiten und Ausrüstungen teils neu oder auch früher frei als im Original. Zusätzlich gibt es für jede Waffe alternative Feuermodi, die man durch Upgrades der Jackdaw freischalten kann.

Mit der Überarbeitung der eigenen Pirateninsel wurden nicht nur neue Gebäude und NPCs hinzugefügt, auch Kenway’s Fleet, die vorher nur per Companion App verfügbar war, ist jetzt ingame nutzbar.

Das Entern wurde ebenfalls überarbeitet. Beim erfolgreichen Entern einer der größeren Schiffsklassen habt ihr jetzt eine vierte Loot Option zur Auswahl. Neben den bekannten Möglichkeiten, das Schiff Kenway’s Fleet zuzuweisen, die Jackdaw zu reparieren oder den Wanted Level zu senken, könnt ihr euch nun auch für eine Kiste mit Extra Loot entscheiden. Neu ist außerdem, dass man Verluste in der Crew beim Entern nachrekrutieren muss, was bei mir bisher aber noch keinen wirklichen Einfluss hatte, da ich bislang an keinen Punkt gekommen bin, an dem das tatsächlich relevant gewesen wäre.

Das Upgrade der Jackdaw findet jetzt hauptsächlich über den neuen Hafenmeister in den Städten statt und nicht mehr über die Kajüte der Jackdaw. Diese existiert zwar weiterhin, dient aber eher der kosmetischen Ausstattung des Schiffes.

Frischer Wind im Storygerüst

Durch Resynced gibt es aber nicht nur neuen Content, sondern es wurde auch einiges gestrichen. Es wird weder einen Multiplayer noch das beliebte Freedom Cry DLC oder die Abstergo Sequenzen geben. Dafür sind die DLC Inseln des Illustrious Pirates Pack direkt ins Hauptspiel integriert.

Den Multiplayer habe ich persönlich immer sehr gerne gespielt, auch wenn er in der Community insgesamt eher durchwachsen ankam. Die Abstergo Sequenzen und die damalige Zeitlinie rund um Desmond haben mich dagegen nie wirklich interessiert, weshalb mir dieser Cut deutlich weniger schwerfällt.

Da mit Resynced die nicht sonderlich beliebten Abstergo Sequenzen weggefallen sind, gibt es als Ersatz nun unterschiedliche Rifts, die allerdings rein optional sind. In den Rifts habt ihr die Möglichkeit, alternative beziehungsweise „What if“ Szenarien zu erleben, also was passiert wäre, wenn einige Ereignisse anders abgelaufen wären. Wie gut dieses Feature am Ende wirklich funktioniert, können wir aktuell noch nicht abschließend bewerten.

Extra Content gibt es außerdem durch acht neue Endgame Missionen und diverse neue Nebenquests, die wir hier aber nicht spoilern werden.

Auch beim Shanty System gibt es Neuerungen. Zu den 35 alten Shanties wurden nicht nur 10 neue hinzugefügt, sondern man kann jetzt jederzeit einzelne überspringen oder gezielt auswählen.

Technisch reibungslos, nur nicht düster genug

Auch wenn ich mit meinem Testsystem zwischen den Minimum und den empfohlenen Einstellungen liege,

Ryzen 5 5600X | RTX 2070 Super | 32GB RAM

sah das Spiel auf hohen Einstellungen fantastisch aus, und ich musste selbst mit aktiviertem Raytracing nicht auf die Framegenerierung zurückgreifen. Bugs oder Abstürze gab es bei mir keine, das Spiel lief bei mir in 1080p durchgehend stabil mit 60 FPS bei aktiviertem V Sync. Den Detailgrad kann man wie bei Assassin’s Creed üblich sehr genau in den Einstellungen festlegen.

Durch die neue Beleuchtung sieht das Spiel allerdings deutlich heller und sauberer aus. Gerade bei Charaktermodellen wie dem von Edward fällt das sehr auf. Insgesamt wirkt vieles einfach zu hell, wodurch stellenweise der Eindruck entsteht, als würden Schatten nicht korrekt dargestellt werden. Zudem wirkt das meiste einfach zu sauber für ein Piratenspiel.

Dazu gibt es jetzt auch vier unterschiedliche Schwierigkeitsgradregler für Kampf, Seekampf, Stealth und Aktivitäten. Diese könnt ihr sowohl zu Beginn des Spiels auswählen als auch bei Bedarf jederzeit im Menü frei anpassen.

Seit der Einstellung der Abstergo Gegenwartsszenen ab Assassin’s Creed Shadows gibt es als verbindendes Element zwischen den Spielen den Animus Hub, in den auch Resynced integriert ist. Über den Hub könnt ihr nicht nur eure Assassin’s Creed Spiele (ab Origins) starten, sondern habt auch regelmäßig wechselnde Zusatzmissionen, die sogenannten Projekte, in denen ihr Belohnungen wie Ingame Währung oder Ausrüstung verdienen könnt. Die Währung könnt ihr anschließend auf dem Handelsplatz gegen Ausrüstung eintauschen. Dazu gibt es noch den Tresor, der als eine Art Lore Kompendium dient.

Wie es aussieht, wird es auch einen Ingame Shop mit Mikrotransaktionen geben. Da dieser aber zum Zeitpunkt des Tests noch nicht freigeschaltet ist, können wir dazu leider noch nicht viel sagen.

Fazit

Resynced zeigt, dass ein Rework mehr sein kann als ein optisches Update. Am deutlichsten wird das im Kampfsystem, das für mich die gelungenste Änderung des gesamten Pakets ist. Es schafft den Spagat zwischen dem tödlichen, aber eintönigen Konter Gameplay des Originals und dem oft zähen Lebensbalken Kampf der neueren Assassin’s Creed Teile, ohne die Schwächen beider Systeme zu übernehmen. Dass dabei die freie Nutzung der versteckten Klingen auf der Strecke bleibt, fällt persönlich weniger ins Gewicht, auch wenn es die Waffenauswahl insgesamt weiter einschränkt.

Im Stealth Bereich merkt man ebenfalls, dass Ubisoft nicht nur oberflächlich nachgebessert hat. Der dedizierte Stealth Modus ist eine kleine, aber wirkungsvolle Änderung, und dass Entdeckung nicht mehr automatisch das Missionsende bedeutet, nimmt dem Spiel unnötigen Frust, ohne die Spannung komplett zu verlieren.

Beim Schiffsgameplay bleibt der Kern von Black Flag zum Glück erhalten. Die nahtlose Open World und die kleineren Ergänzungen wie zusätzliche Loot Optionen beim Entern runden das Erlebnis ab, auch wenn nicht jede Neuerung wie der Autopilot für mich im normalen Gameplay spürbar zum Tragen kommt.

Weniger überzeugt hat mich die neue Beleuchtung. Das Spiel wirkt insgesamt zu hell und zu sauber für eine Piratenwelt, der das Original mit seiner rauen, schattigeren Optik eigentlich besser zu Gesicht stand.

Bei den Streichungen ist mein Bild gemischt. Den Multiplayer habe ich immer gerne gespielt und vermisse ihn daher persönlich, auch wenn ich verstehe, dass er in der Community nie durchgehend gut ankam. Die Abstergo Sequenzen dagegen fehlen mir überhaupt nicht.

Offen bleiben aktuell die Rifts als Ersatz für die Abstergo Szenen sowie der angekündigte Ingame Shop mit Mikrotransaktionen, der zum Testzeitpunkt noch nicht freigeschaltet war. Beides können wir daher noch nicht abschließend bewerten und werden es gegebenenfalls nachreichen.

Technisch lief Resynced bei mir absolut rund, ohne Bugs oder Abstürze, durchgehend stabile 60 FPS in 1080p mit aktiviertem V Sync.


Pro & Contra

Pro:

  • Überarbeitetes Kampfsystem verbindet das Beste aus altem und neuem AC Gameplay
  • Neuer Stealth Modus mit Sichtbarkeitsmeter fühlt sich deutlich besser an
  • Alternative Missionsverläufe statt sofortigem Scheitern bei Entdeckung
  • Nahtlose Open World ohne Ladescreens
  • Zusätzliche Loot Option und mehr Freiheiten beim Entern
  • Stabile technische Performance ohne Bugs oder Abstürze

Contra:

  • Versteckte Klingen außerhalb von Takedowns/Stealth nicht nutzbar, Waffenauswahl dadurch eingeschränkt
  • Beleuchtung wirkt oft zu hell und zu sauber für das Piratensetting
  • Kein Multiplayer mehr enthalten
  • Rifts und Ingame Shop zum Testzeitpunkt noch nicht bewertbar
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Written by: Christoph Heick

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