Aufbaustrategiefans haben nach der vielversprechenden Demo auf diesen Tag gewartet. Anno 117: Pax Romana erscheint am Donnerstag, den 13. November 2025. Wir konnten nach unserer Preview nun auch in den Rest des Spiels eintauchen und wollen nahtlos daran anschließen. Wir haben uns dabei die PC Version angeschaut, aber es wird auch eine Xbox und eine Playstation Version für Konsolenrömer geben.
Albion und Latium
Wer unsere Vorschau nicht mehr parat hat, dem fassen wir den Beginn der Kampagne nochmal schnell zusammen. Ihr spielt Marcia oder Marcus und verdingt euch als Praetorin Latium (eine Region in Mittelitalien). Dabei baut ihr Anno klassisch auf Inseln eure Städte auf, sammelt Ressourcen und befriedigt die Bedürfnisse eurer Bewohner. Allerdings überschlagen sich in der Kampagne irgendwann die Ereignisse, der Kaiser wechselt und ihr werdet nach Albion (Großbritannien) strafversetzt, wo ihr euch mit störrischen Kelten auseinandersetzen dürft.

Durch diesen Kniff baut ihr im Zuge der Kampagne mehrmals von 0 weg euer Reich wieder auf, wodurch für Anno Neulinge ohne größeren Druck die Grundprinzipien des Spiels aufgebaut werden. Auch in Albion steht euch euer Berater/Sklave Ben-Baalion immer mit Hinweisen zur Seite und auch die Römer, die dort bereits Stellung bezogen haben sind nicht um Vorschläge verlegen. Schlussendlich könnt ihr aber die euch gestellte Hauptaufgabe, nämlich alle Kelten unter die römische Herrschaft zu stellen, diplomatisch oder mittels kriegerischer Auseinandersetzung lösen.

Vogelzungen in Aspik
Doch bevor es soweit kommt müsst ihr eure Siedlungen hegen und pflegen. Die Kelten nutzen in Albion dabei das Sumpfland um Aale zu fangen, Schilf anzupflanzen und Lehm zu gewinnen. Auch die Bedürfnisse sind andere als noch in Italien. Um also eure Bürger zufriedenzustellen und sie aufzuwerten, müsst ihr euch das Wissen um weitere Produktionsketten aneignen. Zudem ist die Aufwertung nicht linear, sondern verläuft über zwei parallele Stränge. Einerseits könnt ihr den Kelten mehr ihrer Kultur lassen und so den Fokus eher auf Glauben legen und andererseits gibt es ebenso die Möglichkeit sie zu romanisieren. Das bedeutet jeweils auch andere Bedürfnisse und andere Gebäude, die ihr damit freischaltet. Im Endlosspiel kann das Einfluss darauf haben, ob der Kaiser eure Taten gut heißt oder nicht und euch z.B. im Kriegsfall Unterstützung sendet. In der Kampagne hatte das aber keinen wirklichen Einfluss.

Die Produktionsketten werden im Laufe der Zeit auch immer komplexer und so kommt man um Handel, Transport von anderen Siedlungen und sogar zwischen den beiden Gebieten nicht herum. Wer also Vogelzungen in Aspik möchte, der muss sich um Schweine für die Gelatine kümmern und eine Insel mit Vögeln haben. Natürlich muss dabei auch das passende Personal vorhanden sein. Denn jedes Gebäude im Spiel bezieht seine Arbeiter von einer Bevölkerungsgruppe und wer z.B. in Bausch und Bogen seine gesamte Bevölkerung upgraded, dem werden Standardarbeiter fehlen.

Das ist dann auch der Zeitpunkt, an dem Anno 117: Pax Romana für uns ein klein wenig unübersichtlich wurde. Während wir das Standard UI, wie schon in der Preview, nochmals lobend erwähnen wollen, ist es definitiv schwierig zwischen Produktionsstatistiken, den eigentlichen Inseln, dem Handelsroutenbildschirm, der Forschung und dem Religionsmenü die eine Wahrheit für sich zu entdecken, was nun gerade Priorität hat. Trotzdem ist alles da und mit der Zeit gewinnt man den Blick für das große Ganze von allein. Wir hätten uns trotzdem ab und an gehofft, dass unser Berater uns etwas genauer sagt, wo die Bedürfnisse gerade nicht erfüllt werden.

Aufbausimulation durch und durch
Die Anno Reihe ist eines der absoluten Urgesteine des Aufbausim-Genres. Und so gilt auch dieses Mal, dass der Militärpart zwar ein legitimes Mittel ist, seine Ansichten durchzusetzen, aber die wahren Stärken im Gameplay liegen definitiv abseits dessen. Neben Schiffen, sind die restlichen Militäreinheiten die einzig direkt zu befehlenden Elemente des Spiels. Wer also den Gegner angreifen will, muss diese ausbilden, auf ein Schiff laden und dann in Richtung Feind laden und genau befehligen, was nun angegriffen wird. Während alles wirtschaftliche eher aus hoher Flughöhe befehligt wird, ist man hier quasi im Micromanagement und das fühlt sich etwas hakelig an.

Ein Pluspunkt im Militär ist aber, dass man hier auch seinen eigenen Techtree hat und dadurch deutliche Boni freischalten kann. Wir haben uns aber die meiste Zeit auf die Diplomatie verlassen. In der Kampagne hieß das, dass man die Kelten in ihren Bräuchen unterstützt, anstatt z.B. einen heiligen Hain abzuholzen. Wir hätten uns hier aber tatsächlich mehr Gegenwind aus Rom erwartet. Aber das ist schnell vergessen, denn als wir in Albion erfolgreich waren, erlaubt das Spiel beide Gebiete, Albion und Latium, gleichzeitig zu verwalten und unsere Rückkehr zu unserer Stadt der ersten Spielstunden hat uns sehr gefallen. Ab hier ist die Kampagne quasi das Endlosspiel und wir können siedeln und Krieg führen wie wir wollen, während uns hin und wieder Bürger oder der Kaiser Aufgaben stellen, die wir lösen bzw. Erfüllen können.

Und hier kann man sich dann vollends austoben. In euren Städten müsst ihr nämlich ein Auge auf den Brandschutz, Gesundheit, die Laune des Volkes und natürlich eure Einkommenssituation haben. Denn wer dem Kaiser nicht seine nächste Militäraktion finanziert, der braucht nicht auf Unterstützung zu hoffen.
Erzählt mir eure Geschichte
In Sachen Sprachausgabe sind wir von der deutschen Version restlos überzeugt. Alle Sprecher sind glaubwürdig und hauchen euren Untertanen, Rivalen und allen handelnden Akteuren Leben ein. Nur die 3D Figuren sind etwas Geschmackssache. Ansonsten waren wir auch von der Grafik angetan, auch wenn unser PC ganz schön schwitzen musste. In ganz seltenen Fällen ist uns auch das Spiel schlicht abgestürzt, aber durch die Autosavefunktion, war der Ärger schnell verflogen. Auch das ein oder andere Hinweispopup ging manchmal nicht weg, aber Ubisoft bessert hier sicherlich noch nach.

Für die Zukunft sind jedenfalls schon DLCs geplant, die das Spiel u.a. um eine Ägyptische Provinz erweitern soll. Doch bleiben wir noch in der Gegenwart und wie sich Anno 117 von den Vorgängern absetzt. Ein massiver Unterschied ist diesmal die freiere Wahl, wie man die Bedürfnisse seiner Mitbürger stillt oder sogar übererfüllt. Mehrere Ressourcen stehen pro Tier zur Auswahl und die Spaltung in Albion in Kelten und romanisierte Kelten bietet noch mehr Abwechslung. Auch die Ausrichtung von Gebäuden und Straßen ist eine willkommene Neuerung, da sie das Stadtbild weg vom Reißbrett und hin zu organisch gewachsenen Städten bietet, auch wenn Experten ihre Stadt natürlich wieder akribisch optimieren werden. Die Spaltung in die beiden Provinzen bietet eine weitere Ebene Komplexität, da man gezwungen wird mit sich selbst zu Handeln, wenn man in Albion vollumfänglich erfolgreich sein will.

All das erfindet zwar das Rad nicht neu, macht aber Aufbaustrategen potentiell sehr viel Spaß. Wir hätten uns von der Kampagne zwar noch etwas mehr Dramatik erwartet und eine tiefgreinfendere Bedeutung unserer Entscheidungen, aber in Wahrheit steht und fällt das Anno Erlebnis mit dem Endlosmodus/Sandbox. Und das hat Ubisoft diesmal richtig gut gemacht.
Fazit
Wenig überraschend nach unserer Preview liefert Anno 117: Pax Romana jede Menge Aufbauspielspaß. Der römisch-keltische Kulturkampf in Albion und viele kleinere Verbesserungen gegenüber den Vorgängern sind interessant und den eigenen Siedlungen beim Wachsen zusehen, Handelsrouten einrichten und sich mittels Diplomatie abzusichern unterhält für Stunden. Auch grafisch und akustisch trifft das Spiel ins Schwarze. Nur der Militärpart, die Kampagne, die inhaltlich etwas an Fahrt verliert und ein paar technische Schwächen sowie Bugs trüben den Gesamteindruck ein wenig. Aber nach weiteren drei Stunden im Endlosmodus, hat man das wieder vergessen.
Positiv
- Die Aufspaltung in Latium und Albion weiß durch die dadurch entstehende Abwechslung zu gefallen
- Klasse Sprecher
- Die Steuerung mit Maus und Tastatur ist dank des sehr guten UIs trotz aller Komplexität schnell gemeistert
- Viele (jedoch kurze) Warenketten
Negativ
- Der Militärpart ist nicht spannend
- Kleinere Bugs und ein paar Abstürze
- Die Kampagne fängt stark an und verliert dann leider an Fahrt
- Ein paar komplexere Warenketten mehr wären interessant gewesen



