Review: 007 First Light – James Bond als gelungener Mix aus Uncharted und Hitman

Wir konnten die letzten Tage den neuen James Bond Ableger von IO Interactive ausgiebig für euch unter die Lupe nehmen. Was Fans der Hitman Spiele hier erwarten können und ob der Titel wirklich eine würdige 007 Videospielumsetzung geworden ist, könnt ihr wie immer bei uns im Test nachlesen.

Mehr 007 geht kaum

Das Spiel erzählt die Entstehungsgeschichte eines jungen James Bond, der nach seiner Aufnahme ins Doppel-0-Programm eine Verschwörung aufdeckt und einen Staatsstreich verhindern muss. Die Entscheidung sich hier an den ersten Ereignissen zu bedienen, bevor die Legende wirklich entsteht, wurde sehr gelungen umgesetzt. In einem stellenweise doch recht langem Tutorial, müsst ihr euch nach einer ersten heroischen Mission, in einem Trainingslager beweisen und lernt eure Mitstreiter näher kennen. Von ersten Schussübungen, bis hin zur Einführung in die Fahrzeugsteuerung, ist hier alles ausführlich enthalten. Man bekommt auch die ersten menschlichen Dynamiken zwischen dem frechen James Bond und den etablierten Mitgliedern von MI6 präsentiert. Vor allem die Beziehung zwischen Bond und seinem Mentor ist absolut gelungen und zieht sich eigentlich durchs gesamte Spiel. Man hat alle Aspekte, die man aus der Filmreihe kennt, integriert und für ein modernes Videospiel passend adaptiert. Es macht von Beginn an Spaß, die verschiedenen Möglichkeiten, die einem das Studio zur Verfügung stellt auszutesten und jeden einzelnen Schauplatz genau unter die Lupe zu nehmen. Sei es das berüchtigte Q-Lab oder auch die wunderschönen Destinationen, in die es euch über die verschiedenen Missionen in rund 13-15 Stunden an Spielzeit verschlägt. Trotz vieler Buzzwords rund um AI, ist der Einsatz davon als furchterregende Waffe schön ins Spiel eingebettet und man kommt auch zu sehr vielen amüsanten Stellen im Spiel, in denen man sich mit wissenschaftlichen Errungenschaften rund um das Thema beschäftigen kann.

Die Dialoge und Interaktionen mit den einzelnen NPCs sind eigentlich durchgängig gelungen

An der Geschichte selbst und der gesamten Präsentation dahinter, kann man eigentlich kaum etwas bemängeln. Die Levelstruktur wurde zwar teilweise komplett aus den aktuellen Hitman Ablegern übernommen, aber es wurde auf mehr Action Wert gelegt und die sonstigen Inhalte auf ein passendes James Bond Niveau angepasst. Damit ergeben sich mehrere Lösungswege für viele der Aufgaben innerhalb der umfangreichen Missionen und nette Gimmicks und Easter Eggs, die ihr fernab der Hauptmission finden könnt. In einer Sequenz müsst ihr euch beispielsweise eine Fliege binden (inklusive Quick-Time-Events) oder mit euren Gadgets, Betrüger bei Minispielen aufdecken. Hier macht das Studio alles richtig und fängt die Essenz hinter dem Mysterium James Bond komplett ein. Es wartet während der umfangreichen Laufzeit des Spiels zudem ein hochkarätiges Schauspieler Line-Up und einige Storywendungen auf euch.

Hitman, Watch Dogs oder doch Uncharted?

Wenn es ums Gameplay geht, musste sich das Studio natürlich ein wenig zu den bisherigen Hitman Ablegern weiterentwickeln. Die Entscheidung fiel hier auf noch mehr aktive Gadgets/Fähigkeiten und weitaus mehr Action. James Bond bewegt sich deutlicher flexibler, als ein Agent 47 und hat ein ganz anderes Waffenarsenal zur Auswahl. Man hat sich dabei bei der Inszenierung sehr an Uncharted orientiert. Viele Explosionen, viele Schusswechsel mit den Handlagern der diversen Organisationen und dennoch auch viele moderne Hacking-Elemente, die man in der Form bisher nur in wenigen Spielen, wie beispielsweise Watch Dogs von Ubisoft, umgesetzt gesehen hat. Damit ergibt sich ein sehr dynamisches Gameplay mit jeder Menge Freiheit und trotz der vielen Möglichkeiten, wirkt es selten zu überladen. Optisch und technisch, gehen all diese Elemente aber leider nicht immer komplett auf. Der Spagat zwischen Uncharted und Hitman, wird nicht immer alle Fans der beiden Reihen komplett abholen. Einerseits ergänzen die Gadgets und vielen Interaktionsmöglichkeiten, wie das spontane Werfen von Gegenständen, anstürmen oder auch Entwaffnen per gezieltem Schuss das gewohnte Action Gameplay, aber die finale Umsetzung bricht sehr oft die Immersion. Gegner und Bosse die ewig gegen Wände laufen, Gegenstände die im Spieler oder anderen Objekten stecken bleiben und viele andere kleine optischen Ungereimtheiten, halten die eigentlich recht kreativen Spielemente zurück ihr volles Potenzial zu entfalten.

Wrecki und die Reinigungsroboter sind die versteckten Helden der Geschichte

Zusätzlich wird der große Action-Fokus vor allem Hitman Fans enttäuschen. Ihr könnt zwar viele Bereiche über alternative Routen erreichen oder manche Gegnergruppen komplett mit netten Dialogoptionen überlisten bzw. überspringen, aber die Schwierigkeit dieser Aufgaben hält sich sehr stark in Grenzen. Wenn ihr beispielsweise mal nicht den notwendigen Gegenstand findet, um die Security Mitarbeiter oder Türsteher zu überzeugen, könnt ihr eigentlich so gut wie immer in den Angriff übergehen oder sie hacken/betäuben und somit einfach vorbeispazieren. Das Spiel motiviert euch also weitaus seltener, einen überlegten Ansatz wie in den Hitman Spielen zu finden, sondern gibt euch so viele Tools, dass jegliches Hindernis auch direkt übergangen werden kann. Im Kontrast dazu werden viele Action Fans von den doch langwierig gestalteten Klettersequenzen und Verfolgungsjagden etwas irritiert sein. Vieles davon ist zwar gut in Szene gesetzt, zieht sich aber fast immer viel zu lange, um wirklich das Feeling eines gelungenen Actionfilms zu erzeugen. Mit diesem Mix aus beiden Welten, entstehen dann für die meisten Spieler auch die Nachteile, die beide Spiele mit sich bringen. Entweder euch sind die Missionen zu simpel oder ihr scheitert an den Massen an Gegner und Möglichkeiten, die auf euch geworfen werden, was gerade auf der PS5/PS5 Pro den unangenehmen Beigeschmack von überraschend langen Ladezeiten mit sich bringt.

Die Momente wo sich das Spiel selbst nicht all zu ernst nimmt, sind auch absolut gelungen und eine nette Abwechslung

Gerade im letzten Drittel des Spiels, spitzen sich diese Extreme deutlich zu und zeigen auf, dass hier noch der letzte Feinschliff gefehlt hat, um wirklich alle Elemente perfekt miteinander in Harmonie zu bringen. Aber das Gameplay macht trotz aller Mankos Spaß und erzeugt hin und wieder zusammen mit der oftmals recht dümmlichen KI der Gegner, witzige Momente, die sehr gut an diverse Bond Filme herankommen. Manchmal endet es aber auch eher ungewollt in einer Austin Powers Parodie. Trotzdessen fährt der Titel am Ende des Tages zumeist die seriöse Route. Fans von Rätseln, kommen bei First Light allerdings auch etwas zu kurz. Rätsel, die den Namen verdienen, bietet der Titel in etwa drei Stück und zwei davon sind mit etwas extra Aufwand verbunden. Eines davon ist rein optional und lässt sich alternativ leicht umgehen, wird aber Fans von Mathematik Aufgaben, reizen.

Sogar der kurze Ausflug ins Pub, ist beachtlich in Szene gesetzt

Präsentation und Sound überzeugen

Wie schon eingangs erwähnt, sieht der Titel in so gut wie allen Bereichen fantastisch aus und fängt den Charme der Filme und die gesamte Atmosphäre sehr gekonnt ein. Einige Schauplätze wirken ein wenig wie aus dem letzten Hitman Ableger recycled, aber dadurch kommt man immerhin auf eine weitaus höhere Spielzeit. Zudem bietet dieser Kniff ein immenses Level an Abwechslung in Sachen Szenarien und Orte. Die Liebe zum Detail zieht sich dabei durchs gesamte Projekt. Charaktere sind gut geschrieben, haben gelungene Dynamiken, sehen großartig aus und auch die Gastcharaktere und große Namen haben uns gefallen. Beim Sound kann First Light mit winzigen Abstrichen mit einem James Bond Film mithalten.

Außerhalb der Hauptmissionen könnt ihr noch Trainingsmissionen absolvieren und damit Kostüme freischalten

Etwas ärgerlich ist die strikte Integration von Online Elementen, wobei aktuell, außer der Bestenlisten, kaum etwas davon verwendet wird. Dadurch habt ihr laufend Unterbrechungen, wenn die Verbindung zum Server mitten in der Mission verloren geht und ein kompletter Absturz des Spiels ist uns auf der PS5 Pro auch untergekommen. Sonst bietet der Titel bis auf leichte Framerate-Einbrüche bei hohem Gegneraufkommen, eine sehr gute Performance.

Fazit

007 First Light ist definitiv eines der besten James Bond Spiele der letzten 20 Jahre und auch wenn es nicht unbedingt jeden Hitman Fan vollständig abholen wird, das umfangreichste Projekt des Studios bisher. Die Mischung aus Action und Schleicheinlagen geht nicht immer auf und endet manchmal, dank der dümmlichen Gegenspieler, fast schon in einer Parodie, aber ansonsten bekommen Bond Fans einen der bisher am besten inszenierten Titel, den das Franchise jemals gesehen hat.

+ Fantastische Umsetzung die Fans der Filme komplett abholen wird

+ Gelungene Schauplätze und Spielumfang

+ Trotz Action Fokus, immer noch einiges an Freiheiten und Lösungswege die man aus Hitman gewohnt ist

+ Großartiger Soundtrack und Synchronsprecher

– Mischung aus Action Gameplay und Hitman DNA, geht nicht immer ideal auf und wird beide Fraktionen nicht vollständig zufrieden stellen

– Verfolgungsjagden oftmals unntöig in die Länge gezogen und dadurch nicht sehr intensiv

– Einige technische Ungereimtheiten, vor allem produziert durch die dümmlichen Gegner und Bosse

Teilt uns eure Meinung mit

Written by: Gabriel Bogdan

Redaktionsleiter/Vernichter von Cornflakes und Vollzeit Gamer

No comments yet.

Leave Your Reply