Real Farm Review – Mein erster Farming Simulator

Normalerweise mache ich einen großen Bogen um jegliche Simulatoren, egal ob es dabei um eine Farm, einen Zug oder um einen Gabelstapler geht. Doch nun kann ich mich nach einer kurzen Session Real Farm Experte auf dem Gebiet der Bauernsimulation nennen und ich kann nur sagen, dass es genau so spannend ist, wie man sich das vorstellt. Doch genug der Vorrede, beginnen wir einen der heißen Anwärter auf Spiel des Jahres zu durchleuchten.

Man spannt auf einer Straße direkt vor einem Bauernhof, das Spiel verschwendet anscheinend keine Zeit an Einführung oder dergleichen. Allerdings präsentiert sich eine Texttafel mit einem Mann namens Matt Davis, der einen sofort in sein Haus einladen möchte. Da ich gelernt habe mit keinen fremden Leuten nachhause zu gehen, bleibe ich erstmal skeptisch und versuche mit meinem Pickup-Truck die Flucht zu ergreifen. Ich bin nicht der einzige auf der Straße, neben mir fährt ein beiges Auto, doch bei genauerer Betrachtung stelle ich fest, dass es komplett führerlos ist und anscheinend von alleine fährt.

Wenigstens sitzt im eigenen Auto ein hölzerner Spieler-Avatar (anstatt niemand)

Entsetzt fahre ich zurück zum Bauernhof um Matt Davis davon zu erzählen, aber der ist eher daran interessiert, mich in einen Traktor zu stecken und das Feld nebenan zu pflügen. „Na gut, helf ich ihm halt kurz“, denk ich mir „wird ja nicht solange dauern.“ Als ich auf dem Feld bin, wird ein Zeitlimit eingeblendet, indem ich den Acker durchgepflügt haben muss. Würde das Zeitlimit die Aufgabe nun schwierig oder spannend gestalten? Natürlich nicht, den der Zeitrahmen beläuft sich auf sage und schreibe 25 Minuten. Bereits nach einer Minute erhalte ich allerdings eine Nachricht, dass ich mich in das Aufgabengebiet zurückbegeben soll, obwohl ich das Feld nie verlassen habe.

Ich bin DIREKT auf dem Feld, aber das Spiel sieht das nicht so!

Die 20 Sekunden (sehr knapp im Gegensatz zu den 25 Minuten) verstreichen schnell und plötzlich stehe ich ohne Traktor auf dem Feld. Also renne ich zu Fuß zur Farm zurück, hole den Traktor wieder, fahre wieder zum Feld und beginne erneut zu pflügen. Normalerweise hätte ich an diesem Punkt ein Spiel bereits beendet und von der Festplatte gelöscht, aber ich warte erst noch auf den Punkt, an dem die mühsame Arbeit aufhört und der Spielspaß beginnt.

Unterwegs versuche ich die unheimlichen Geisterautos von der Straße zu drängen, allerdings wegen fehlender Kollisionsabfrage ohne Erfolg

Mein zweiter Versuch glückt und nach 10 endlosen Minuten ist alles durchgepflügt. Die nächste Aufgabe würde doch sicher ein spannenderes Kapitel im Leben eines Bauern zeigen, wie zum Beispiel mit Rinderwahn verseuchte Kühe eliminieren oder sich eine Blutfehde mit gegnerischen Landwirten liefern? Falsch gedacht, die nächste Aufgabe ist nämlich exakt dasselbe nochmal zu tun, mit dem Unterschied das diesmal nicht mit dem Pflug sondern mit dem Grubber gearbeitet wird.

Der größte Unterschied besteht darin, dass der Traktor jetzt grün ist

Nach dem Pflügen und Grubbern (?) sät man noch und kommt es schließlich zur Ernte mit der Erntemaschine. Wie die sich so fährt? Keine Ahnung, denn ich habe es aufgrund eines Bugs nie geschafft in das Ding einzusteigen. Ein Bug, der einen daran hinter das Spiel weiterzuspielen und das in der ersten halben Stunde nach Spielbeginn…. Ziemlich enttäuschend, doch eigentlich bin ich froh, dass ich nicht noch weitere 20 mal über den Acker fahren muss.

Nachdem ich den Wagen von allen Seiten angesprungen bin, wurde mir klar, dass Real Farm hier für mich zu Ende war…

Sobald ich wieder in meinen Pickup-Truck gestiegen war, fuhr ich Richtung Siedlung und dort bestätigte sich meine fürchterliche Vorahnung, die ich seit den fahrerlosen „Geisterautos“ hatte. Keine NPCs – keine Leute und auch keine Tiere; ich bin völlig alleine in der Stadt, alleine mit Matt Davis. Panische Angst packt mich und sofort steure ich mein Auto Richtung Tunnel um diesen verfluchten Ort zu verlassen. Aber direkt vor dem Tunnel befindet sich eine unsichtbare, undurchdringbare Wand, die meinen Truck beim Aufprall wegschleudert und ihn in die Seitenlage bringt (aus welcher er sich natürlich nicht mehr befreien kann).

Würde Laden eines älteren Spielstands vielleicht helfen? Natürlich nicht, denn Real Farm speichert bei jedem Beenden und merkt sich all die Glitches und Bugs; manuelles Speichern gibt es ebensowenig wie weitere Speicherslots. Zu Fuß renne ich nun durch den seelenlosen Ort und finde mich vor einem Autoverleih wieder, bei dem man Fahrzeuge und Anhänger entweder kaufen oder mieten kann, wobei ich nicht weiß wo sich der Unterschied finden lässt, außer das Mieten wesentlich günstiger ist, aber sich nicht auf ein Zeitlimit beschränken lässt.

Leider gibt es keinen Panzer zu kaufen (oder zu mieten)

Mit einem neu gemieteten Auto sehe ich jetzt nur noch einen Ausweg: Ich würde mich selbst in den See fahren und ertränken. Besser der Freitod als diese ewig währende Hölle. Als ich dann aber mit Vollgas in das Gewässer reinbrettere,  offenbart sich mir eine schreckliche Tatsache. Fahrzeuge können hier anscheinend unter Wasser fahren.

Somit bleibt mir nur noch mein Schicksal zu akzeptieren: Auf ewig gefangen in der Hölle mit dem omnipotenten Gott seines ewigen Reichs, Matt Davis.

Negativ

– gruselige Geisterautos

– Gameplay besteht aus der immer gleichen Routine (nämlich Felder bestellen)

– Bugs, Bugs, Bugs

– miese Grafikfehler

– keine Möglichkeiten die Qualen zu beenden

Positiv

+ als Maßstab wirkt jedes andere Spiel im Vergleich wie ein Meisterwerk

+ zeigt, dass man seine Zeit lieber sinnvoll nutzen sollte

 

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Written by: Julian Bieder

Retro-Zocker, Gwent-Experte und eifriger Trophäenjäger

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