Preview: Vampire: The Masquerade – Bloodlines II – Wir waren für kurze Zeit der Schrecken, der die Nacht durchflattert

2004 erschien mit Vampire: The Masquerade -Bloodlines das erste extern entwickelte Spiel in der Source Engine. Wir durften nun, ganze 21 Jahre später, erste Schritte im Nachfolger von The Chinese Room (und vertrieben durch Paradox Interactive und White Wolf) tun und die Nachtwelt Seattles als Untoter erkunden. Unsere Version war für den PC und beinhaltete die ersten vier Missionen und keine Sidequests. Beachtet daher bitte, dass unser Ersteindruck derweil noch sehr eingeschränkt ist. Ein weiterer Hinweis: Alle Screenshots sind uns von The Chinese Room zur Verfügung gestellt worden.

Ausgiebig geschlafen

Dieses Mal seid ihr kein Vampirfrischling, sondern ein sog. Elder. Mit mehreren hundert Jahren auf dem Buckel und als „Nomad“ bekannt, ist der Spielercharakter kein Unbekannter in der Vampir High Society. Einzig, dass der Nomad, der sich im Jahr 2024 nun Phyre nennt, hundert Jahre im Koma lag und keine Erinnerung daran hat, wie er nach Seattle gekommen ist, macht das Ganze etwas schwierig. Doch glücklicherweise ist er nicht allein. Ein Malkavianer namens Fabien steckt nämlich in seinem Kopf fest. Der war ursprünglich ein Detektiv und hat auch einige Teile seines Gedächtnisses verlegt.

Für alle, die sich in der Vampire: The Masquerade Welt nicht auskennen: Malkavianer sind einer der dreizehn großen Vampirclans, die jeweils spezielle Eigenarten haben. Malkavianer sind z.B. klassischerweise mit einer Geisteskrankheit gestraft, können dafür aber Dinge sehen und vorhersagen, die anderen Vampiren verborgen bleiben. Ein idealer Trait für einen Privatdetektiv, wie Fabien. Phyre selbst gehört einem Clan eurer Wahl an. Allerdings habt ihr nur die Auswahl zwischen Brujah, Tremere, Banu Haqim und Ventrue. Falls ihr euch für die Premium Version entscheidet bzw. den DLC kauft, kommen noch Lasombra und Toreador dazu.

Die Entscheidung eures Clans bestimmt eure passive Clanfähigkeit und welche Vampirfähigkeiten ihr im Laufe des Spiels vergünstigt, d.h. für weniger Skillpunkte, freischalten könnt. Brujah sind zum Beispiel für Nahkämpfer ohne Kompromisse geeignet, während Tremere die Blutmagieexperten sind. Weiterhin haben die Clans auch einen Ruf anhaften, der NPC Reaktionen auslöst und euch möglicherweise bestimmte Dialogoptionen eröffnet bzw. verwehrt. Leider hatten wir in unserer kurzen Preview den Eindruck, dass die charakteristischen Nachteile eures Clans nicht wirklich Einfluss auf das Gameplay haben. Das könnte sich aber im Laufe des Spiels noch ändern und wir hoffen, dass Phyre nicht nur Rosinenpicken betreibt. Phyre hat übrigens auch ein frei wählbares Geschlecht und in Sachen Optik bieten sich nach kurzer Spielzeit Optionen für Kleidung, Piercings, Brillen, Augenfarbe und co. Durch die Vertonung des eigenen Charakters mit sehr charakteristischem Akzent und den Fakt, dass hier hunderte Jahre Vergangenheit da sind, haben wir aber nicht das Gefühl bekommen einen eigenen Charakter zu spielen, auch wenn wir seine Vergangenheit durch Dialogoptionen selbst beeinflussen.

Ein vampirischer Wunderwuzzie

Phyre und Fabien müssen im verschneiten Seattle einigen Geheimnissen auf den Grund gehen. Allen voran gilt es herauszufinden, wie ein mysteriöses Mal auf Phyres Hand gelangt ist und wieso die beiden überhaupt ein Team wider Willen wurden. Fabien schlussfolgert bereits sehr früh, dass hier ein Zusammenhang bestehen muss, aber ob man ihm als Malkavianer vertrauen kann, ist unklar. Zu Beginn gilt es aber sowieso zunächst aus einem ghoulverseuchten Haus auszubrechen, dass noch dazu von der Polizei umstellt wurde. Ghouls sind übrigens Menschen, die Vampirblut zu trinken bekommen haben. In diesem Teil des Spiels dienen sie aber ausschließlich als Kanonenfutter, um euch das Kampfsystem nahe zu bringen, das zum Start hauptsächlich aus Nahkampf besteht.

Netterweise seid ihr als Elder Menschen und selbst jungen Vampiren auf jeden Fall deutlich überlegen, da ihr übermenschlich stark seid, euch schnell bewegen könnt, telekinetische Kräfte und sogar Doppelsprung und Gleitfähigkeiten zur Bewegung besitzt. Gleichzeitig seid ihr aber durch euren hundertjährigen Schlaf angeschlagen, was als praktische Ausrede für das Levelsystem herhalten darf. Quests lösen und Hinweise sammeln bringen euch nämlich Erfahrungspunkte, die dann in neue Skills investiert werden können. Attributspunkte gibt es dagegen nicht. Auch der Skilltree ist mit fünf Ebenen und ohne „entweder/oder“ Entscheidungen nicht wirklich komplex gestaltet. Dadurch wirkt die Clanentscheidung in unserer Previewversion nicht annähernd so wichtig wie im Tabletop oder im direkten Vorgänger.

Stimmen im Kopf

Interessanter war dagegen Fabiens Kommentare, die euch sowohl in Seattles Vampirorganisation als auch in der modernen Welt weiterhelfen. Für Phyre sind Begriffe wie Computer, Smartphone oder Internet nämlich Fremdwörter. Allerdings irritieren ihn automatische Türen und Fahrstühle überhaupt nicht. Uns als Spieler irritierte dieses Verhalten allerdings sehr wohl, denn wir hätten hier auf mehr Interaktion mit der Umwelt gesetzt. Das kann sich aber in Folgemissionen natürlich noch anderweitig äußern, daher verbleibt die Hoffnung, dass man diesen Umständ erzählerisch mehr aufgreift. Die sogenannte Masquerade, also die Regel, dass Vampire sich Menschen unter keinen Umständen zu erkennen geben dürfen, ist im Spiel zweckmäßig umgesetzt. Wer in Sicht eines Menschen doppelspringt, übermenschlich schnell läuft oder gar anfängt jemanden auszusaugen zieht Aufmerksamkeit auf sich und füllt dadurch einen Balken, der euch anzeigt, wie schlimm es um den Masqueradebruch steht. Wer das dritte Level füllt wird, den Regeln der Camarilla entsprechend, aus dem Nichts getötet.

Das weiß unser Hauptcharakter aber schon, denn in Sachen Vampirhierarchie ist Phyre auch hundert Jahre später noch gut mit dabei. Die sog. Camarilla ein weltweiter Zusammenschluss von Vampiren, ist in Seattle vorherrschend, hat aber momentan Probleme mit einer anderen, sehr lose organisierten Vampirsekte namens Anarchen. Und natürlich sorgt auch das Auftauchen des Nomad ebenfalls für Aufsehen. Mit Fabien als Guide kommt ihr aber schnell in Kontakt mit der ex Prince (= Titel eines Camarilla Anführers) Lou Graham (die übrigens der realen Lou Grand aus Seattle nachempfunden ist) und ihrem Vampirkind Ryong Choi, die ebenfalls eine mächtige Position in der Stadt bekleidet. Auf dem Weg zu den NPCs und auch während der Dialoge bekommt ihr voll vertont Informationen von Fabien direkt in den Kopf geflüstert und könnt in einer Mission sogar in einer Flashback Sequenz den Malkavianer selbst steuern. Dort gab es keine Kämpfe, sondern nur gute, alte Detektivarbeit und die Manipulation von Sterblichen mit euren Malkavianerfähigkeiten. So konnten wir (Tutorial geführt) Erinnerungen löschen und einer verwirrten Frau weißmachen, wir seien ein Freund ihres Vampirbekannten. Ob das klappt und wie es weitergeht, lassen wir euch aber selbst erleben.. Wir vermuten, dass es mehrere Sequenzen mit Fabien geben wird und sich diese im Gameplay mit Phyre abwechseln werden.

Vampirbeschäftigungen: Reden, Kämpfen und Blut trinken

Damit haben wir, bis auf einen, bereits alle großen Gameplaybestandteile des Spiels angeschnitten. Im Spiel gibt es zudem noch Rätsel bzw. Suchspiele, um den richtigen Weg zu finden. Dabei hilft euch eure Telekinese, genauso wie euer sechster Sinn, der einerseits als Vampirsicht (alles was Blut in sich hat leuchtet) und andererseits als sich verändernder Cursor äußert. Davon gab es aber noch nicht allzuviel in der Preview.

In den Kämpfen fühlt sich das Gameplay, sobald mehrere Gegner auf euch einstürmen, zum Teil etwas chaotisch an. Die Gegner AI ist dabei zudem nicht sonderlich geschickt und das allgemeine Kampfgefühl ist noch etwas tumb und schnell unübersichtlich. Mit dem Einsatz von Blutmagie, Stealthfähigkeiten und anderen Skills, lässt sich hier in Zukunft sicherlich mehr herausholen und wir vermuten, dass im weiteren Spielverlauf Kämpfe weitaus interessanter werden. Im Vergleich zum Vorgänger wurde auf viel mehr Action wert gelegt und sich deutlich von Dishonored Inspiration geholt. Auch dass eure Skills nicht über ein gemeinsames Blutmeter o.Ä. geregelt werden zeigt den Actionfokus. Stattdessen besitzt jeder Skill einen Cooldown, der durch Blutsaugen reduziert wird. Wer seine Gegner unerkannt erreicht oder sie durch genug Schaden betäubt, kann diese während der Kämpfe anzapfen und so einerseits heilen und andererseits die Skills wieder aufladen. Es besteht dabei allerdings nie die Gefahr, wie noch in Bloodlines 1, dass man im blutlosen Zustand zum unbändigen Tier wird, also gibt es auch keinen Grund sparsam mit seinen Fähigkeiten zu sein.

Das macht zwar kampftechnisch mehr her, lässt aber den Rollenspielaspekt etwas unter den Tisch fallen. Auch bei den Dialogen haben wir den Eindruck gewonnen, dass The Chinese Room weniger komplexe Strukturen gewählt hat. In unserer Previewversion waren die Dialoge durchwegs gut vertont und geben euch mehrere Antwortmöglichkeiten, aber noch ist unklar, wie schlimm es ist, wenn man sich z.B. gegenüber einem hochrangigen Vampir unbeliebt oder ob das überhaupt einen großartigen Unterschied macht. Zudem sind die Antwortmöglichkeiten wesentlich kürzer als noch im Vorgänger. Insgesamt wirkt das Intro des Spiels sehr geradlinig, aber das schieben wir momentan noch den fehlenden Sidequests in die Schuhe. Auch hier hoffen wir, dass sich die Auswahl an Optionen in den Folgemissionen bzw. im Rest des Spiels wesentlich weiter öffnen.

Im Oktober geht’s ans Blutsaugen

Insgesamt war unser erster Ausflug nach Seattle noch etwas blutleer. Das Verschieben des Fokus auf mehr Action und weg von den RPG Elementen der Pen and Paper Vorlage machen Bloodlines 2 in jedem Fall nicht zu einem logischem Nachfolger des ersten Teils. Das kann man gut oder schlecht finden, aber der Mix aus Fabiens Detektivarbeit, Phyres Übermacht und den Dialogen hat trotzdem Potential. Hier hängt alles vom weiteren Verlauf des Spiels ab und wie sich die Dialoge und der eigene Skilltree auf Story und Gameplay auswirken.

Grafisch ist das Spiel natürlich passend zu den Protagonisten dauerhaft in Dunkelheit gehüllt und erfüllt seinen Zweck, wenngleich einige Gebiete recht leer wirken. Der Sound und die bereits genannte guten Sprecher haben uns allerdings bereits recht gut gefallen. Wir warten auf jeden Fall gespannt auf den Herbst, denn am 21. Oktober wird Vampire: The Masquerade – Bloodlines 2 erscheinen. Vampir sein kann man dann auf PC (Steam, Epic, GOG), Playstation 5 und Xbox Series X|S. Das Hauptspiel wird ca. 60 USD kosten, während der in der Deluxe Edition enthaltenen kosmetische Santa Monica Memories DLC separat ca. 12 USD kosten wird. Die Premium Edition umfasst daneben zusätzlich noch den Shadows and Silk DLC mit den zwei extra Clans, der Einzeln mit ca. 22 USD zu Buche schlägt.

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Written by: Steve Brieller

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