Mit bisher 17 Teilen der Hauptserie ist Fire Emblem ein Dauerbrenner bei Nintendo, dessen Existenz vielen aber erst seit Super Smash Bros Melee mit Roy und Marth ein Begriff sein dürfte. Mit Fire Emblem: Fortune’s Weave kommt nun ein weiterer Ableger für die Nintendo Switch 2 heraus und wir konnten bereits einen ausgiebigen Blick auf die ersten Kapitel werfen.
Das Königreich Dagda hat ein untotes Problem

Fortune’s Weave dreht sich um das Königreich Dagda, das kurz vor der endgültigen Vernichtung steht. Fans der Serie erinnern sich hier an die Stadt Dagsion, die der Herkunftsort einiger Charaktere aus Fire Emblem Three Houses ist. Damit dürfte zumindest die Verbindung zu einem Hauptteil geklärt sein. Ungeachtet dessen zieht jedenfalls eine Horde Untoter, deren Zahl ständig wächst und von Balor, einem Dämonengott, befehligt wird, marodierend durch die Lande. Und da kommt euer Charakter ins Spiel, dessen Seele von der Göttin Sothis als Unterstützung gesendet wird. Die Ausgangslage ist aber bereits so katastrophal, dass Fortuna, die Göttin des Schicksals euch zurück in der Zeit schickt, um ein Ensemble von vier Helden einerseits vor ihrem vorzeitigen Ableben zu schützen und andererseits zur Unterstützung der Gegenwart zu rekrutieren.

Diese typische Zeitreisegeschichte (inklusive „keine großen Veränderungen!“) startet so richtig mit der Erstellung eures Charakters, wobei der Editor nur wenige Alternativen zulässt. Euer Geschlecht, ein paar Frisuren, Haar- und Augenfarbe sowie eure Rüstung sind dabei die Hauptdrehregler. Wir hätten uns hier jedenfalls mehr Optionen gewünscht. Dafür seid ihr bereits zu Beginn sehr stark unterwegs und werdet langsam an die Rundentaktikgefechte herangeführt.

Eine Vorausschau nach der anderen

Die Geschichte wird dabei in unzähligen Zwischensequenzen und Dialogen erzählt, die selbst auf dem Schlachtfeld noch stattfinden. Weiterhin gibt es auch Momente in denen ihr frei in den Gebieten herumlaufen und dort weitere Informationen sammeln könnt. Eines ist dabei jetzt schon klar: Fortune’s Weave liebt das Stilmittel der epischen Vorausdeutung (oder kürzer und auf englisch: foreshadowing). Nur allzugern wird etwas vorausgegriffen bzw. angedeutet, um dann ein paar Szenen oder auch Kapitel später in Gänze offenbart zu werden. Natürlich spoilern wir hier nicht, denn die Schicksale der vier Helden und aller anderen Protagonisten sind durchaus interessant, aber manchmal sind die Vorgriffe etwas plump.

Kommen wir also zu den vier Hauptfiguren: Cai ein Dorfbewohner, der Zeit seines Lebens von seinem Vater trainiert wurde, sieht sich gezwungen an den Heldenspielen in der Hauptstadt Dagdas teilzunehmen, um seinen eingesperrten Vater zu retten. Dietrich, ein Schwertkämpfer, der immer auf der Suche nach dem nächsten herausfordernden Kampf ist, versucht um des Kämpfens willen ebenfalls teilzunehmen. Theodora, die Königin des mit Dagda verbündeten Saramis ist zu den Spielen ebenfalls in Dagda. Und zu guter Letzt gibt es Leda, die den Mörder ihres Vaters aufspüren will.

Ein Wunsch als Belohnung

Jeder der vier Charaktere besitzt eine eigene, in Kapitel aufgeteilte, Geschichte, die ihr auch durcheinander angehen dürft. Zeitlich springt man damit auch etwas hin und her und bekommt so parallele Handlungsstränge präsentiert. Zudem hat jeder Protagonist auch seine eigenen Verbündeten dabei, die in den Taktikgefechten mitkämpfen. Die Möglichkeit zu Wechseln und Parallelen aufzudecken funktioniert überraschend gut und die Erzählung greifen harmonisch ineinander. Dadurch schließt man die Charaktere auch wesentlich mehr ins Herz und wer permadeath aktiviert hat, kann die rekrutierten Mitstreiter sogar dauerhaft verlieren. Storyrelevante Charaktere tauchen dann zwar noch in Zwischensequenzen auf, aber nehmen nicht mehr an Kämpfen teil.

Um das zu verhindern, müsst ihr in den Gefechten jederzeit die Reichweiten eurer Gegner prüfen und sie aus der Reserve locken. Auf den schachbrettartigen Schlachtfeldern könnt ihr euch daher in den rundenbasierten Kämpfen jede Menge Infos (inklusive Reichweite) anzeigen lassen und so informiert eure Entscheidungen treffen. Tiefe bekommt das System durch verschiedene Waffenarten, die jeweils gegen andere Einheitentypen effektiv sind. Zudem gibt es Spezialattacken auf Kosten der Waffenhaltbarkeit, die euch besondere Boni wie höhere Critchance oder mehr Schaden bieten.


Umso öfter ihr einen Charakter verwendet, umso mehr levelt dieser auf. Da die Story euch aber sowieso immer wieder zu Kämpfen zwingt und ihr am besten alles was ihr habt einsetzt, sollte es kaum zu imbalancen kommen. Außerdem bieten sich immer wieder die Freizeit vor besonderen Ereignissen an, an denen ihr auf einer Landkarte verschiedene Stationen für Kämpfe, Ressourcen und Quests abklappern könnt, um dort weiter zu leveln. Das erhöht auch eure Bekanntheit bzw. Ansehen, was es euch ermöglicht neue Mitstreiter zu rekrutieren.

Es gibt viel zu erzählen

Wenn wir in der Preview eines gelernt haben, dann ist es der Fakt, dass Fire Emblem: Fortune’s Weave in den ersten Spielstunden weniger Taktikfüchse anspricht, aber umso mehr Freunde von langgezogenen JRPG Dialogen zufriedenstellt. Es gibt jede Menge Dialog, die teils vertont sind und auch Übersprungen werden können. Das gehört so zur Serie, aber das hilft nicht immer darüber hinweg, dass sich selbst wichtige Schlachten dadurch nur als Pause zwischen Dialogen anfühlen, anstatt als essentieller Höhepunkt. Da half dann aber oft ein Wechsel zum nächsten Charakter, um zumindest Abwechslung zu erzeugen. Der Schwierigkeitsgrad der Kämpfe zwischen den vielen Storysequenzen reichen von belanglos (vor allem in Dungeons, bei denen es keine Taktikkarte, sondern nur die Auswahl der Aktionen gibt) bis zu durchaus anspruchsvoll. Falls doch einmal eine absolute Fehlentscheidung getroffen wurde, könnt ihr ein begrenzt verfügbares Item von Fortuna verwenden, welches euch die Zeit zurückdrehen lässt. Ein nett integriertes Hilfsmittel, das vor allem Beginner zu schätzen wissen werden.

Wir sind sehr gespannt, wie sich die Lernkurve über das ganze Spiel ausbreitet und ob die gegnerische AI dann an Geschick hinzugewinnt, denn meistens läuft sie relativ stumpf nach vorne und lässt sich leicht in die eigene Reichweite locken. Die eigentliche Schwierigkeit entsteht durch die Menge an Einheiten und dass man selbst nicht übermäßig viel Lebenspunkte pro Charakter hat. Mit mehr rekrutierten Mitstreitern und mehr Optionen wird aber sicherlich auch der Schwierigkeitsgrad anziehen und wir hoffen, dass dadurch der Taktikaspekt mehr an Bedeutung gegenüber dem Ausnutzen der etwas doofen Gegner gewinnt. In Sachen Story sind wir aber in jedem Fall neugierig, wie es weitergeht, denn der Fokus liegt auf der spannenden Geschichte.
Lang müssen wir dafür aber nicht mehr warten, denn in knapp über einem Monat, am 17. September 2026, erscheint Fire Emblem Fortune’s Weave und lässt uns Dagdas Schicksal in die Hand nehmen.


