Planescape: Torment & Icewind Dale Enhanced Editions Review – D&D-Klassiker nun endlich auf Konsole

In den goldenen Zeiten der RPGs für PC erschufen Black Isle Studios (heute unter Obsidian neu formiert) und BioWare im Alleingang einige der besten Spiele aller Zeiten. Und während BioWare tatkräftig an Baldur’s Gate entwickelte, erschuf Black Isle Studios zwei nicht weniger wichtige Ableger im Universum von Dungeon&Dragons: Icewind Dale und Planescape: Torment. 2014 und 2017 wurden respektive neue überholte Versionen von Beamdog veröffentlicht, die sogenannten Enhanced Edtions und mit dem Jahr 2019 sind diese nun auch auf den aktuellen Konsolen erschienen. Wie sich die beiden „verbesserten“ Versionen der RPGs auf diesen spielen, erfahrt ihr hier bei uns im Test.

Planescape: Torment

Charakterpunkte zu Beginn können schon viel über den Story-Verlauf entscheiden.

Planescape wirft den Spieler nach der Charaktererstellung und einer kurzen wirren Slideshow direkt in die Spielewelt: Als Namenloser wacht man aufgebahrt in der Leichenhalle auf. Der Protagonist hat sein Gedächtnis verloren und damit genau soviel Ahnung wie der Spieler selbst. Es geht also ans Erkunden: Die Lore der Spielewelt ist reich an Informationen und detailreich genug, dass man sich bereits im ersten Areal stundenlang mit NPCs unterhalten kann, um mehr darüber zu erfahren. Doch wichtiger sind die eigentlich die Fragen auf die eigene Herkunft und das Rätsel um die Unsterblichkeit des Namenlosen. Richtig gelesen: Wer im Kampf stirbt, dem wird kein Game Over Screen präsentiert, sondern wacht wieder in der Leichenhalle auf.

Fast jeder NPC hat eine Menge zu erzählen.

Mit dabei ist als erster Gefährte Morte, ein fliegender Totenkopf, der die düstere Atmosphäre von Planescape mit jeder Menge Humor füllt. Abgesehen davon werden im Spiel sehr viele philosophische Fragen gestellt, zum Beispiel ist das Leitthema die Frage nach dem Wesen eines Menschen und wie man es ändern kann. In diesem Bezug trifft der Namenlose noch einige Figuren, die nicht in ihr typisches Rollenbild passen wollen und deren Schicksale auch stark mit der Vergangenheit des Namenlosen verknüpft sind. Genau aus diesen Gründen werden im Spiel viele Dialoge geführt, dass bedeutet wiederum sehr textlastige Szenarien (Der Text ist für den Fernseher ein wenig zu klein geraten, kann aber im Optionsmenü vergrößert werden). Der Fokus liegt insgesamt stärker auf Dialogen, als auf Kämpfen, gewaltfreie Lösungen für einen Quest werden auch besser belohnt.

Banditen attackieren den Namenlosen und Morte!

Doch natürlich muss ein echtes RPG auch ein Kampfsystem besitzen, Planescape basiert auf den typischen D&D-Regeln, die mit Trefferquoten und Zaubereffektivität arbeiten. Der Spieler kann das Geschehen mit einem Knopfdruck jederzeit anhalten und die Party mit neuen Befehlen beauftragen. Die Party wird gewohnheitsgemäß über den Spielverlauf großer, der Namenlose reist hierfür durch magische Portale in einem Multiversum zwischen verschiedenen Ebenen (den Planes) hin und her und stürzt sich zum Teil sehr unterschiedliche Welten.

Icewind Dale

Gleich zu Beginn steht man zu sechst vor dem Tresen einer Taverne.

Im Gegensatz zu Planescape bleibt Icewind Dale brav in der Welt der Vergessenen Reiche von Dungeon & Dragons und der Schwerpunkt liegt hier ganz eindeutig auf den Kämpfen, die großteils sehr taktisch ausgefochten werden müssen. Eine Party von sechs Helden landet nach einer kurzen Einführung, welche die Lore von Icewind Dale erzählt, direkt in einer kleinen Taverne, in der die Wirtin sie bittet im Keller ein paar Insekten zu zerquetschen – es ist das klassische Tutorial-Szenario, das jeder RPG-Fan schon mal in den klassischen Spielen kennengelernt hat.

In Bezug auf Rüstung gibt es jede Menge zu beachten. Nicht jede Klasse kann jede Waffe führen.

Und auch sonst hält sich Icewind Dale an die Konventionen des klassichen RPGs: Klassen vom Berserker über den Dieb bis zu den Magieanwendern, eine Vielzahl an Bewaffnungen und Ausrüstungen und ein Fertigkeitenbaum, der beim Aufleveln zum Einsatz kommt, sind alle vorhanden. Magiebegabten Charakteren stehen pro Tag abhängig von den Charakterwerten und Erfahrungsstufe eine begrenzte Zahl von Zaubersprüchen zur Verfügung. Diese Sprüche muss sich der Magiekundige erst während einer Rast aus seinem Zauberbuch heraus einprägen, bevor er sie wirken kann. Dabei wird zwischen Magier- und Priesterzaubern unterschieden. Magier erlangen neue Sprüche, indem sie ausgewählte Spruchrollen in ihr Zauberbuch kopieren. Priester erhalten ihre Sprüche als göttliche Eingebung, abhängig von ihrer Schutzgottheit. Sie haben keinen Einfluss auf die ihnen zur Verfügung stehende Palette an Zaubersprüchen. Alternativ können beide Klassen auch einmalig anwendbare Spruchrollen bzw. magieauslösende Gegenstände verwenden.

Ein Trupp Goblins lauert der Heldenparty auf.

Kampfsituationen können auch hier jederzeit pausiert werden und, wie oben angemerkt, sind für die Party äußerst gefährlicher als in Planescape: Schnell können durch einen Hinterhalt alle sechs Partymitglieder draufgehen und der letzte Speicherstand muss geladen werden. Dasselbe passiert, wenn die Party nicht ordentlich ausgerüstet oder mit den falschen Zauber vertraut ist – Angänger verlieren hier schnell den Überblick.

Fazit

Das Doppelpack aus Icewind Dale und Planescape: Torment bringt ein Stück der glorreichen Tage Ende der 1990er wieder zurück und Beamdog hat neben einer nützlichen Zoomfunktione, neue Items und, im Falle von Planescape, sogar Content, der im Original aus Zeitgründen geschnitten werden musst, in die Titel gebracht. Auch wenn Puristen auf die Originale von vor zwei Jahrzehnten bestehen, liegt im Grunde genommen mit den Enhanced Editions die bestmögliche Version vor. Obendrauf ergänzen sich die beiden Titel in ihren Gameplay-Aspekten: Bei Planescape liegt der Fokus auf tiefgründiger Story, bei Icewind Dale auf taktischen Kämpfen. Wer gerne eine klassiche, fast schon altbackene, D&D-Kampagne möchte wird zu zweiterem greifen, alle anderen werden mit Planescape ihre Freude haben, ein Spiel, das auch nach all den Jahren noch frisch wirkt.

Positiv

+ Portierung zweier RPG-Klassiker der Jahrtausendwende für Konsolen gelungen

+ Optimiertes Interface und Performance sowie mehr Inhalte als in den Originalfassungen

+ Schwerpunkte beider Spiele ergänzen sich gut

Negativ

Icewind Dale ist weniger gut gealtert als Planescape: Torment

– Zoomfunktion wird sich sehr unvorteilhaft auf die Spielegrafik aus

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Written by: Julian Bieder

Retro-Zocker, Gwent-Experte und eifriger Trophäenjäger