Moss – PSVR Review (PS4 Pro)

Und schon geht es weiter mit unserer Reviewserie für PSVR-Neuerscheinungen. Moss wurde von Polyarc exklusiv für das PSVR entwickelt und ist am 27. Februar 2018 als PSN Download für 29,99€ erschienen. Ob es sich, im Gegensatz zu Bravo Team, dafür gelohnt hat die VR-Brille abzustauben, erfahrt ihr wie immer in unserem Review.

VR wie aus dem Bilderbuch

Polyarc (c)

Nach der üblichen Kalibrierung, die übrigens empfiehlt die Kamera unter den TV zu stellen und wie das gesamte Spiel am besten im Sitzen erfolgt, erwacht man in einem virtuellen Lesesaal, der stark an Hogwarts‘ Speisesaal erinnert. Gleich fällt, wohl auch dank der Unreal Engine, die sauber umgesetzte Technik auf. Spielerisch muss hier erstmal durch Interaktion mit dem von der PS Kamera getrackten Dual Shock 4 ein großes Bilderbuch geöffnet werden. Wie es sich für (gutes) VR-Spiel gehört funktioniert das ganz intuitiv. Schade allerdings, dass man nicht zurückblättern kann, denn so ist mir gleich zu Anfang ein Stück Story entgangen.

Das VR-Bilderbuch

Mitbekommen habe ich aber, dass die Heldin der Geschichte Quill heißt: Eine niedliche, weiße Maus, die es in bester Jump and Run-Manier zu steuern gilt. Dabei ist sie aber nicht alleine; als Spieler bzw. besser gesagt „Leser“ ist man Teil des Abenteuers und kann sich selbst im Laufe des Spiels öfters z.B. in Spiegelungen sehen. Neben der Steuerung von Quill übernimmt man folglich auch die Steuerung eines Leuchtorbs, der die „Macht“ des Lesers symbolisiert; damit kann man nicht nur die Seiten im Buch wenden, sondern auch Objekte, Tore und Gegner manipulieren. Dadurch ist man als Leser oft essentiell für das Vorankommen der kleinen Maus (Rollentausch mit der Maus aus dem OG Prince of Persia?).

Quill und du.

Fixe freie Kamera

Wie schon geschrieben, handelt es sich hier um ein mehr oder weniger klassisches Jump and Run-Adventure, gemischt mit etwas Hack and Slay. Was das Spiel also wirklich besonders macht, ist die Art der Präsentation, die so ohne VR einfach nicht möglich gewesen wäre. Die Grafik kommt oft einem Animationsfilm nahe und die Animationen von Quill sind putzig und flüssig (ja, sie spricht sogar in Zeichensprache mit dem Leser). Dazu kommt eine absolut atmosphärische Soundkulisse und hübsch designte Umgebungen, die so ziemlich alles was das Fantasyherz begehrt bieten. Man springt und kämpft sich durch dichte Wälder, Sümpfe, Strände, Schlösser und Kerker, wobei jedes Segment mit sehr viel Liebe zum Detail ausmodeliert wurde. Das besondere daran? Durch VR kann man sich mehr oder weniger frei, von der fixen Position wegbewegen und sich alles bis ins kleinste Detail genau anschauen. Oft verstecken die Entwickler sogar Sammelobjekte (wovon es übrigens nur 2 Arten gibt) im toten Winkel der Ausgansposition, wodurch man wortwörtlich in das Spiel eintauchen muss um auch wirklich alles zu finden. Die Limitationen des PSVR werden hier durch die clever und etwas restriktiv designten Level sehr gut umgangen.

Ursprünglich sah man diese Szene von der Seite.

Kurzweilig kurz. Macht Lust auf mehr.

Nach knapp 3 Stunden des Springens, Laufens, Kämpfens und Rätsellösens blieb ich allerdings auch schon vor der letzten Seite des Buches inmitten des verlassenen Lesesaals sitzen. Zwar bietet die Story durchaus einen Abschluss, lässt den Leser aber auch ganz abrupt nach einer vergleichsweise schweren Trial&Error-Sequenz, die wohl als Boss-Fight durchgehen sollte, vor unvollendeten Tatsachen sitzen. Da man nicht zurückblättern kann (wieder: WARUM?!), kann man nur über die „Option“-Taste am Kontroller in frühere Kapitel zurückspringen um eventuell noch die verpassten Sammelobjekte zu finden. Für knapp 30€ wird man hier also nicht gerade lange Unterhalten, dafür aber sehr gut.

Das bösartigste und jähzornigste Nagetier, das euch je unter die Augen gekommen ist? Nein, nicht wirklich. 🙂

Für Leute die verzweifelt auf guten VR-Nachschub warten und auch solche, die viel Spaß mit dem Jump and Run Minispiel aus PlayroomVR hatten (mit eine der besten Demos in der Sammlung), ist das Spiel auch für diesen Preis absolut zu empfehlen. Hoffentlich arbeitet Polyarc weiter an der Serie und kann in Zukunft auch ein etwas längeres und eventuell funktionsreicheres* Abenteuer auf unsre VR-Brillen zaubern.
*(Multiplayer alla Roboter Retten in PlayroomVR? VR-Spieler = Leser, Spieler 2 = Quill?)

Positiv

+ Nette Story und super knuffige Protagonistin

+ Mit viel Liebe entwickelt und gestaltet

+ Gut funktionierendes, etabliertes Gameplay mit frischen und ebenso gut funktionierenden VR-Einflüssen

+ Für alle Spielerschichten gut geeignet (Jung und Alt, Casual/Hardcore)

Negativ

– Zu kurz

– kaum Wiederspielwert

– abruptes Ende mit unnötig schwerem Trial&Error Bossfight

– kein Multiplayer

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Written by: Christian Lang

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