Mit Nowhere Prophet rollt ein außergewöhnliches Roguelike – Kartenspiel an

Online Card Games sind bereits seit längerer Zeit ein etabliertes Genre, doch diese zielen meist darauf ab, den Spieler für ein besseres Deck zum Kauf von Lootboxen zu bewegen. Im Mittelpunkt stehen hier die PvP-Battles, ein Story-Modus ist meist nur unwichtiges Beiwerk. Nowhere Prophet aus dem Hause des deutschen Indie-Entwicklerstudio Sharkbomb Studios macht das alles anders – der Fokus liegt auf einer packenden Geschichte über eine Gruppe Ausgestoßener in einer postapokalyptischen Welt mit Einflüßen der indischen Kultur, die ein sicheren Ort zum Leben suchen.

Dabei stellt jeder Charakter der Gruppe eine Karte dar, die wiederum eigene Werte und Effekte besitzt. Die Effekte entsprechen in etwa der ausgewiesenen Persönlichkeit der Karte: Während der „Battlefield Medic“ typischerweise benachbarte Einheiten heilt, so erhält der „Shifty Opportunist“ einen Boost, wenn Einheiten aus dem eigenen Team sterben. Im Kampf getroffene Figuren erleiden Verletzungen oder sterben sogar, sie können dann Perma-Death-ähnlich nicht mehr eingesetzt werden. Besonders aggressive Spieler werden sich unter diesen Umständen schnell einem Game Over gegenübergestellt sehen und müssen von vorne beginnen. Falls dies wirklich der Fall sein sollte, werden aber bereits freigeschaltene Prophetenklassen (die Anführerkarten) und Startkarawanen (die Kartensammlung) für den letzten Spielversuch freigeschalten.

Der Begriff Roguelike bedeutet, dass kein Spieleverlauf dem nächsten gleicht, es werden per Zufall immer neue Pfade mit unterschiedlichen Wahlmöglichkeiten vom Spiel generiert. Verschiedene Möglichkeiten zum Erhalt neuer Gefährten werden geboten, dabei kommt es aber vor allem auf die vom Spieler getroffene Entscheidung an, vor welche er oft gestellt wird. Die Gefährten erscheinen dann als Karten in der Sammlung, aus welcher man wiederum seine Bestandteile für das eigentliche Deck auswählt. Generell gilt: Wer mehr Auswahl hat, kann komplexere und effizientere Kartenkombos nutzen.

Ein vergleichbares Konzept findet sich bei einem ähnlichen Titel mit ausgedehnter Story-Kampagne, Thronebreaker: The Witcher Tales, doch besitzt der Gwent-Ableger nicht die taktische Dynamik und die Entscheidungsfreiheiten von Nowhere Prophet. Ein Beispiel zum Vergleich wäre das Schlachtfeld, das bei Thronebreaker in zwei Reihen auf beiden Seiten aufgeteilt ist und die Platzierung der Karten eher zweitrangig behandelt. In Nowhere Prophet variiert die Zahl der nutzbaren Feldern und kann sich durch das Auftreten von Hindernissen sogar asymmetrisch zu den Gegnerrängen gestalten, wodurch eingespielte Taktiken nochmals überdacht werden müssen.

Nowhere Prophet befindet sich in der Endphase seiner Entwicklung, wirkt in Bezug auf Gameplay und Handlung auch bereits sehr ausgereift und wird zwischen ersten und zweiten Quartal 2019 den Early Access verlassen. Danach ist es über Steam für PC erhältlich.

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Written by: Julian Bieder

Retro-Zocker, Gwent-Experte und eifriger Trophäenjäger