Final Fantasy VIII Remastered Review – Lieblose Portierung oder glanzvolle Hommage an den Klassiker?

Final Fantasy generiert sich als Marke inzwischen selbst genug Aufmerksamkeit, um eigentlich auf jede Art von Werbung verzichten zu können. Mit dem bevorstehenden Remake des Topfavoriten, Final Fantasy VII, war es für Square Enix anscheinend an der Zeit auch dem direkten Nachfolger zumindest eine hochskalierte Remastered durch DotEmu für die gängigen Konsolen und PC zu verpassen. Wir haben den Titel für euch genau unter die Lupe genommen, natürlich auch im Vergleich zum dem PSX Original.

Bestien, Chocobos und eine Heldenparty – alle Zutaten für ein klassisches FF vorhanden

Der achte Teil der Reihe unterscheidet sich durch seine Artgenossen in der Story schon zu Beginn. Anstatt einer Ragtag-Party, welche sich durch die verschiedensten und buntesten Charaktere wie in FF IX zusammensetzt, steuert man zu Beginn Squall Leonhart, den Kadetten eines Militärakademie, der mit seinen Söldnerkollegen zu verschiedenen Einsätzen beordert wird. Obwohl es natürlich Monster-Encounter gibt, liegt der Fokus doch auf dem Ausschalten feindlicher Soldaten, Attentate und Bürgerkriege – Final Fantasy VIII ist um ein ganzes Stück politischer als jeder seiner Brüder.

Das Hauptquartier ist die Akademie selbst, Balamb Garden – und hier stechen bereits die grafischen Änderungen am Spiel ins Auge. Komplett neue Charaktermodelle mit scharfen Kanten anstatt dem bisherigen Pixelhaufen und hochskalierte Umgebungen sowie verkürzte Ladezeiten. Zum Beispiel hier die Einsatzfahrt nach Dollet im Original: Squall, Quistis, Cifer und Xell sitzen sich gegenüber; es ist wegen der Unschärfe vieles der Fantasie überlassen.

In der neuen Version wirken die Animationen wie von der PlayStation 2: Alles ist leicht erkennbar und wirkt schon fast steril:

Leider sind nicht alle Szenen so gut überarbeitet wie diese: Als Negativbeispiel muss das Treffen mit Direktor Cid gezeigt werden, der trotz Upscaling immer noch total unscharf wirkt.

Der Direktor als brauner Klecks

Während Quisits Trepe und Leon selbst scharf gestellt wurden, ist Cid ein Teil des verwaschenen Hintergrunds. Insgesamt profitiert FF VIII aber von dem grafischen Update, welches auch die FMVs auf 1080p geschraubt hat.

Der ikonische Tanz zwischen Squall und Rinoa bei ihrem ersten Aufeinandertreffen

Das Gameplay bleibt, bis auf drei kleine Booster, unberührt

Ifrit will erst besiegt werden, bevor er die Party unterstützt

Bei Final Fantasy VIII hat man sich auch dazu entschlossen, das gängige MP-System für Zauber auszulassen; stattdessen zieht man die Magie stückweise aus sogenannten Draw Points oder aus den Gegnern im Kampf. Zauber werden genau wie G.F. (Guardian Forces – die Beschwörungen im Kampf) an ein Partymitglied gekoppelt. Diese leveln dann mit dem Charakter mit, und so ergibt sich das komplexe Ability-System für FFVIII. Wer einen Vorteil haben will, muss dennoch EXP farmen – und das klappt durch die vielen Zufallsbegegnungen zum Beispiel auf der World Map.

Links sind die drei neuen Features aktiv geschaltet.

In der Remastered ist es nun möglich, bis zu drei „Optionen“ zu nutzen, um das gesamte Spielgeschehen inklusive Kämpfe um das Dreifache zu beschleunigen, in Kampfsituation nie wirklich HP zu verlieren oder Random Encounters insgesamt ganz abzuschalten (obwohl es dafür im späteren Spielverlauf eine Ability dafür gibt). Diese Enhancements beeinflussen natürlich den gemächlicheren Spielfluss, der für die 90iger noch typisch war, aber heutzutage ansonsten doch etwas zäh wirken würde.

Etwas das jedoch noch genauso viel Spaß macht wie damals, ist das süchtig machenden In Game Kartenspiel Triple Triad, das nun mit neuen, schärfen Abdrucken auf den Karten punkten kann.

Triple Triad erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit

Fazit

Um gleich auf den Punkt zu kommen: Final Fantasy VIII war vor 20 Jahren ein herausragendes Rollenspiel und das ist es heute noch! Auch wenn Final Fantasy selbst inzwischen mit dem gesamten Genre in eine actionlastigere Richtung gegangen ist, bleibt der achte Teil dennoch ein Fixpunkt der Reihe. Eingefleischte Fans können wieder Nostalgie schwelgen, während Neueinsteiger auf die Booster zurückgreifen können, um das Grinden zu erleichtern, es wäre jedoch nett gewesen, der Remastered ein oder zwei Boni beizufügen – selbst das in der PC-Version von 2013 enthaltene Minispiel Chocobo World ist entfernt worden, womit man nur die Standard-Version von FF VIII mit aufgehübschter Grafik erhält. Nichtsdestotrotz ist Final Fantasy VIII Remastered mit ziemlicher Sicherheit die momentan beste Version eines Klassikers von 1999!

Positiv

+ aufgebesserte Grafiken ohne das ursprüngliche Gameplay anzutasten

+ spielbeeinflussende Features sind optional verfügbar

+ Charaktere und Story haben nicht an Atmosphäre verloren

Negativ

– keinerlei Bonusinhalte

– Koppel-System damals wie heute nicht intuitiv

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Written by: Julian Bieder

Retro-Zocker, Gwent-Experte und eifriger Trophäenjäger