Ehemaliger IGN – Redakteur beschuldigt seinen früheren Arbeitsplatz der Falschmeldung und Nötigung

Klassische Spiele-News haben sich einst nur einem Thema gewidmet, und das waren die Videospiele selbst. Grafik, Gameplay, Schwierigkeitsgrad, und so weiter – doch seit einigen Jahren werden zumindest von Online-Medien auch die Umstände hinter den Kulissen bzw. den Einfluss auf die Spieler gewidmet. Beispiele dafür wären der unmenschliche Crunch, dem sich viele Programmierer großer Studios gegenübersehen oder das Schema des „Live Service“-Modells, das Gamer immer und immer wieder zur Kasse bittet. Etwas über das Gaming-Redakteure jedoch nicht berichten – und das betrifft nicht nur Videospiel-Outlets, sondern News-Medien im Allgemeinen – sind die Zustände in ihrem eigenen Berufsfeld. Wer erwartet schon, dass Kotaku einen negativen Artikel über sich publiziert, oder dass Polygon IGN anschwärzt?

Das Problem ist klar: Videospiel-Journalismus durchleuchtet die Videospielindustrie und bringt Wissenswertes an die Leser, es gibt allerdings niemanden der den Videospiel-Journalismus selbst durchleuchtet! Trotz allem konnten wir nun einen kurzen Einblick in die Welt einer der ganz großen Player dieses Videospiel-Journalismus erhalten: Mitch Dyer, ehemaliger Schreiber für IGN, lässt über Twitter seinen Frust über die Führungsriege der Review-Seite freien Lauf.

Speziell Steve Butts und Tal Blevins scheinen zwei tonangebende Personen zu sein, denen vor allem die Klicks auf die Webseite wichtig sind, anstatt die Richtigkeit der News. Von der damaligen Falschmeldung, dass The Last Guardian gecancelt worden wäre, bis zu der unwahren Geschichte, dass Neil Druckmann die Ex-Storyline-Schreiberin Amy Henning von Naughty Dog aus dem Entwicklerstudio gedrängt habe, um selbst völlig Kontrolle über die Handlungen kommender Spiele von Naughty Dog zu erhalten. Dyer wurde zudem quasi gezwungen, diesen Artikel unter seinem Namen zu veröffentlichen.

Steve Butts und Tal Blevins sind inzwischen beide nicht mehr bei IGN tätig, doch seine Tweets zeigen auf, dass auch respektierte News-Seiten unter den falschen Umständen echte Missinformation in die Welt setzen können, sobald die Anzahl der Besuche auf der Seite wichtiger wird als der Wahrheitsgehalt und das Wohl der eigenen Redakteure. Für letztere hat Dyer übrigens nur Lob übrig und meint, dass IGN sich seit dem Weggang entsprechender Personen stark verbessert hätte.

Die Lektion hier ist, dass nicht nur die Videospielindustrie selbst kapitalorientierte Individuen anlockt, die ihren Untergebenen das Leben zur Hölle machen, sondern auch der journalistische Seiten – sobald sie eine profitable Reichweite errungen haben – von raffgierigen Höhergestellten befallen wird. Doch dies wird meist verschleiert, gerade weil die Instanz, welche die Leute aufklären soll, von dem Problem befallen ist.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Textes haben leider keiner der namhaften journalistischen Videospielseiten die Tweets von Mitch Dyer adressiert oder entsprechend behandelt.

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Written by: Julian Bieder

Retro-Zocker, Gwent-Experte und eifriger Trophäenjäger