Die „Top 5 Spiele des Jahres“ von Julian aus der Redaktion

2020 war ein Jahr voller Kontroversen – auch in der Videospielbranche! Schnell erinnert man sich zurück, an das Review-Bombing von The Last of Us Part II über die Engpässe der Next-Gen-Konsolen mit verzweifelten Leuten, die die Geräte schließlich für das Zwei- bis Vierfache von Scalpern im Internet ersteigern, bis hin zum völlig verbuggten Cyberpunk 2077, dessen Release CD Projekt Red unter keinen Umständen ein weiteres Mal verzögern wollte. Dennoch hat dieses Jahr auch eine Fülle an neuen Titel bereitgestellt, die von sich zu überzeugen wusste – vor allem Fall Guys und Among Us konnten während der Zeiten des Social Distancings punkten. Eigentlich würde Fall Guys aufgrund seines umgekrempelten Battle-Royale-Ansatzes klar auf Platz 5 landen, doch möchte ich den Anfang der Liste diesmal nutzen, um meinen Beitrag zum momentan heißest diskutierten Thema zu liefern.

5. Cyberpunk 2077

Wenn ich Cyberpunk 2077 spiele, glitcht mir die Kamera durch den Kopf von V, Autos fallen unerklärlicher Weise vom Himmel und ich kann einen Dialog mit einen Typen führen, denn ich eigentlich gerade erschossen habe (er wollte mich auf einen Drink einladen). Und natürlich winkt nach ein paar Stunden Spielzeit der nächste Absturz… Richtig erraten, ich habe Cyberpunk 2077 auf meiner PS4 gezockt – ein Titel der später aus dem PS Store entfernt wurde! Wieso landet der Titel dennoch auf meiner Favoriten-Liste? Die Wahrheit lautet: Ich würde momentan niemanden empfehlen, sich Cyberpunk 2077 zuzulegen, doch sobald ein alle gröberen und feineren Probleme durch Patches getilgt sind, werden wir alle (oder zumindest die meisten) Versprechungen von CD Projekt Red erfüllt sehen. Ein solides RPG mit unglaublich atmosphärischer Welt, Quests, die in der langen Historie der RPGs wirklich noch originell wirken, und Gameplay, das sich wirklich ändert, je nachdem welche Ausrüstung und Cyberware man installiert hat. Die Unmengen an Hype und die viel zu frühe Veröffentlichung haben keinesfalls gut getan, doch sobald die Wogen geglättet sind, wird man das momentan noch extrem kontrovers behandelte Cyberpunk 2077 angenehm spielen können.

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4. What the Golf?

Definitiv mein Überraschungstitel des Jahres! Ich habe eine kleine Schwäche für Golfspiele, deshalb landete What the Golf? eines Tages spontan in meinem Switch-Warenkorb. Schnell wurde klar, dass es sich hier aber nicht um ein konventionellen Golf-Simulator handelt, sondern um eine Aneinanderreihung kleiner physikbasierender Geschlichkeitsübungen, die obendrein noch bekannte Videospiele in Gameplay und Stil imitieren. Von Super Meat Boy über Portal werden gekonnt zahlreiche Gaming-Hits imitiert, doch spätestens als der Golfball im Stile von Superhot mit gestoppter Zeit Waffen aufnimmt und seine Gegner niedermäht, wurde mir klar, dass What the Golf? nicht nur ein klasse Spiel für zwischendurch, sondern auch ein Liebesbrief an alte sowie neuerer Videospielklassiker ist – und nebenbei richtig Laune macht.

3. Ghost of Tsushima

Ghost of Tsushima ist der Beweis, dass das Rad nicht neu erfunden werden muss, um einen Erfolg zu produzieren – manche Spieleentwickler verbiegen sich geradezu, um mit neuartigen Gameplay-Ideen zu punkten, und dagegen ist auch absolut Nichts einzuwenden, allerdings fährt man mit einem bewährten Erfolgskonzept oft auch sehr gut. Ghost of Tsushima ist das beste Beispiel: Der Titel bringt nichts Neues auf den Tisch, alle Gameplay-Konzepte waren so oder so ähnliche Jahre zuvor bereits bei Assassin’s Creed zu sehen. Ich würde sogar soweit gehen, dass, würde man eine Templer-Assassinen-Rahmenhandlung hinzufügen, überhaupt keine Unterschiede zu den klassischen AC-Teilen mehr zu sehen wären. Das Gameplay außen vor, strahlt Ghost of Tsushima jedoch in allen anderen Aspekten: Eine überlebensgroße Welt, glaubhafte Charaktere und eine wunderschöne Szenerie, die jeden Screenshot wie ein Landschaftsporträt wirken lässt – Sucker Punch hat als Abgesang für die PlayStation 4 einen der schönsten Exklusivtitel überhaupt geliefert.

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2. CrossCode

Was für Ghost of Tsushima in Sachen Aufmachung gilt, gilt für CrossCode in Hinsicht auf Leveldesign: Immer öfter wird aufgrund von weiten Open-World-Bereichen in „Triple A“-Titeln Level-Design keine Beachtung mehr geschenkt, während es in den 90ern noch das A und O jeden Spiels war, das etwas auf sich halten wollte. Doch zu groß die Verlockung dem Spieler heute einfach eine Welt zu servieren, die riesig aber oftmals auch leer ist. CrossCode geht in die entgegengesetzte Richtung und zeigt eine Detailverliebtheit, die inzwischen seinesgleichen vergeblich sucht. Jeder Bereich im Spiel ist genau durchdacht und bietet eine Vielzahl an Puzzles an, die im weiteren Spieleverlauf zu ziemlich harten Nüssen werden können. Für mich war der Erfolg von CrossCode auf PC und Konsole keine Überraschung, wusste ich doch, dass die Wurzeln des deutsche Indie-Entwickler Radical Fish Games in der RPG-Maker-Szene zu finden sind, die einige wirklich großartige RPGs hervorgebracht hat, welche aufgrund von Lizenzen leider nicht auf kommerziellen Seiten vertrieben werden können.

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1. Wasteland 3

Die Jahrtausendwende markiert für mich stets die Sternstunde der RPGs auf dem PC – dies war die Zeit in der Interplay, Black Isle Studios und Bioware an einem Strang zogen, um Titel zu entwickeln, die nun als absolute Klassiker gelten: Baldur’s Gate und Fallout sind hier nur die Spitze des Eisbergs, aber sie sind auch die beiden Paradebeispiele, die ständig für diese kreative Schaffenszeit genannt werden. Inzwischen gehört die Marke Fallout zu Bethesda und Larian Studios hat mit der „Dungeons and Dragons“-Lizenz von Baldur’s Gate seine ganz eigene Interpretation eines dritten Teils geliefert – der im Early Access schon jetzt sehr vielversprechend wirkt, aber sich auch eher wie Divinity: Original Sin anfühlt, als das Gameplay von damals fortzuführen. Interplay-Gründer Brian Fargo hat sich aber inzwischen mit seinem neuen Studio, inXile Entertaiment, etabliert und während ich Wasteland 2 eher durchwachsen fand, ist mit Wasteland 3 etwas geschehen, was ich fast schon für nicht mehr möglich hielt: die Magie und den Witz der damaligen Rollenspiel-Glanzzeit mit frischem, taktischem Gameplay zu kombinieren, ohne die Ursprünge aus den Augen zu verlieren. Wasteland 3 hatte zum Release mit einer Reihe von Bugs zu kämpfen, was aber nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass mich das Spiel überglücklich gemacht und auch eines Besseren belehrt hat.

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Written by: Julian Bieder

Retro-Zocker, Gwent-Experte und eifriger Trophäenjäger