CrossCode PS4 Review – Der wahr gewordene Traum für jeden Fan von klassischen Action-RPGs

Richtig gelesen – Radical Fish Games liefert als deutsches Indiestudio einen Liebesbrief an das Genre des 16-Bit – Rollenspiels mit einem ausgefeilten Actionkampfsystem ab. Inzwischen ist CrossCode allerdings kein neuer Titel, existiert doch eine PC-Fassung bereits seit zwei Jahren auf Steam, dennoch haben wir uns das Spiel pünktlich zur Veröffentlichung für PlayStation 4, Xbox One und Nintendo Switch erneut angesehen und verraten euch, ob CrossCode für Konsolen erneut so gute Figur machen kann, wie schon bei der Erstveröffentlichung 2018.

Ein MMO, das weder Multiplayer noch Online ist

MMO steht für Massive Multiplayer Online – zu diesem Genre zählt beispielsweise World of Warcraft – doch CrossCode ist definitiv nur für einen Spieler gedacht! Wo liegt also die Verbindung zwischen den beiden Titeln? In der Story, denn als Lea spielt man in der Welt eines MMORPGs namens CrossWorlds; das bedeutet, dass sich alle Charaktere über die Umgebungen, in denen sie Quests erledigen und Gilden bilden, als Videospiel bewusst sind. Dadurch öffnet sich eine ganz neue Meta-Ebene im Spiel: NPCs unterhalten sich vom Design der gegnerischen Monster, über Erfolge anderer Mitspieler, bis zu den Begleit-Comics einiger Questgeber und fordern sich auch gegenseitig zu PvP-Kämpfen heraus.

Das Interessante an CrossWorlds: Das Spiel ist nicht virtuell, stattdessen teilt sich das Spiel im Spiel ein Universum mit den Leuten, die es spielen. Zu verwirrend? Man könnte zum Vergleich sagen, dass wir hier auf der Erde real existierende Avatare auf dem Mars steuern, um mit ihnen dort vorgefertigte Abenteuer zu erleben. Genau hier wird die Protagonistin von CrossCode, die vorhin erwähnte Lea wichtig: Sie scheint bereits eine Vergangenheit zu haben, an die sie sich selbst nicht mehr erinnern kann – ist also augenscheinlich mehr als nur ein weiterer durchschnittlicher Spieler in CrossWorlds. So wird sie zu Beginn auch von einer Entität attackiert, die gar nicht zu dem MMO gehören zu scheint.

Daraus ergibt sich, dass man eigentlich zwei Storylines folgt: Die eine, der jeder Spieler von CrossWorlds folgt – eine Party bilden, Dungeons absolvieren, Bosskämpfe meistern – und eine zweite, die eben weit über die Spielewelt hinausgeht und eng mit Leas Vergangenheit verbunden ist. Während letztere wohl wesentlich schwerer wiegt, heißt das nicht, dass nicht beide viel Spaß bereiten, denn auch die „MMO-Quests“ sind gut durchdacht und abwechslungsreich. Nicht selten trifft man außerdem auf Anspielungen auf andere Spieltitel oder sogar auf Referenzen der Popkultur, wie die „steirische Eiche“.

Die perfekte Kombi aus schnellem Action-Kampfsystem und feinster 16-Bit – Ästhetik

In der Lebensspanne der Super Nintendo erschienen einige der schönsten 2D Rollenspiele, die als zeitlose Klassiker (z.B. Chrono Trigger, Final Fantasy VI) gelten, da die aufwändig gestalteten Grafiken bis heute nichts an ihrem Reiz verloren haben, während spätere 3D Titel (Xenoblade Chronicles) nun geradezu leer wirken. CrossCode muss sich in dieser Hinsicht absolut nicht hinter seinen SNES-Kollegen verstecken, sind die Level doch mit einer unglaublichen Detailverliebtheit gestaltet und bieten allerlei zum Entdecken.

Zusätzlich sind diese Areale nicht nur schön anzusehen, sondern dienen auch zeitgleich als Puzzle-Elemente. Wer ein Item auf einem Plateau erspäht, kann schon längere Zeit brauchen, bis er mit Lea hüpfend einen Weg dorthin gefunden hat. Diese kleinen Rätsel werden jedoch in den Schatten gestellt von den kniffligen Puzzle-Räumen, die sich innerhalb der Dungeons befinden. Obwohl sie sich um ein Eck schwerer gestalten, und manche von ihnen schon richtig knackig werden können, bleiben sie dennoch fair und sollten nach ein wenig Überlegen zu lösen sein.

Während Puzzles für Rollenspiel schön und gut sind, bleibt das Kampfsystem aber immer noch das Kernelement: Bei CrossCode hat man sich anstatt einem klassischen rundenbasierten für ein Action-Kampfsystem entschieden – und dieses läuft wirklich ausgesprochen flüssig und intuitiv! Neben typischen Nahkampfangriffe, kann man parallel mit dem rechten Stick auf entfernte Gegner zielen und feuern. Zusätzlich stehen ein Dash zum schnellen Ausweichen und ein Schild zur Schadensminimierung zur Verfügung, die vor allem in Bosskämpfen reichlich verwendet werden sollten.

Verbessert werden diese Fähigkeiten mit einem Skill-Tree, der im Menü unter „Circuits“ aufgerufen wird. Ganz klassisch erhält man durch Levelaufstiege Punkte, die dann hier ausgegeben werden können. Auffällig ist, dass man zwischen bestimmten erlernten Angriffen wechseln kann: „Ball of Steel“, ein einzelnes mächtiges Geschoss, und „Bullet Rain“, ein Hagel kleiner Geschosse, sind jederzeit wechselbar, nachdem einer der beiden Fähigkeiten erlernt wurde. Im späteren Spieleverlauf eignet sich Lea vier verschiedene Elemente an, die dann jeweils eigene Skill-Trees mit sich bringen.

Die Inhalte in CrossCode sind zahlreich, vor allem in Bezug auf einen Indie-Titel, doch dies schlägt keinesfalls auf Kosten der Qualität. Wogegen manches RPG mit Fetch-Quests aufgebläht wird, um mehr Spielzeit zu bieten, hat man den Missionen hier mehr Vielfalt geschenkt, wodurch keine Langeweile aufkommt und man als Spieler sogar wirklich das Gefühl hat, den Leuten zu helfen. Einzig bei den Textboxen im Questlog kann es manchmal vorkommen, dass sich der Text über eine oder zwei Zeilen mehr zieht, als ihm eigentlich zur Verfügung gestellt wurde.

Fazit

Radical Fish Games hat alles richtig gemacht, und sich an allen groben Fettnäpfchen gekonnt vorbeimanövriert. Daher kann sich das Ergebnis absolut sehen lassen: Von der motivierenden Story , die zwei Stränge besitzt, über sympathische Nebencharaktere bis zu den Quests, die jede Menge Abwechslung bieten, macht CrossCode bereits einen guten Eindruck. Aus Perspektive des Gameplays überzeugen die Puzzle ebenso wie das Kampfsystem: Unter Ersterem befinden sich einige Kopfnüsse, die aber mit ein wenig Logik gut gelöst werden können, während die Kämpfe flott voran gehen, aber niemanden überfordern sollten, und so auch von Einsteigern zu meistern sind. Untermalt werden die Abenteuer zudem von einem ausgezeichneten Soundtrack, der inzwischen mehr als nur ein paar Liebhaber gefunden hat. Abschließend lässt sich sagen, dass CrossCode sich hinter niemanden verstecken muss, weder hinter den Rollenspielen von heute, noch hinter den RPG-Klassikern der goldenen 16-Bit – Ära.

Positiv

+ unverbrauchte Story auf mehreren Ebenen mit Metaperspektive

+ rasantes, allerdings nicht überforderndes, Action-Kampfsystem

+ abwechslungsreiche Haupt- und Nebenquests

+ bunte Nebenfiguren mit ausgeprägter Persönlichkeit

+ anspruchsvolle Rätsel und Puzzle

+ großartige musikalische Untermalung

Negativ

– minimale Fehler wie Zeilenüberschneidungen und kleinere Bugs

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Written by: Julian Bieder

Retro-Zocker, Gwent-Experte und eifriger Trophäenjäger