Bright Memory: Episode 1 PC Review – Spektakuläre One-Man-Show aus China

Immer wieder gibt es in der Welt des Gamings unbekannte oder gar unscheinbare Titel, die aufgrund ihrer Entwicklungsgeschichte und ihrer Qualität auf Vertriebsplattformen wie Steam so viel positive Resonanz bekommen, dass Sie quasi über Nacht in das Rampenlicht geraten. Gerade eben scheint dieser Fall beim chinesischen Entwickler Zeng Xiancheng (als FYQD operierend) mit der ersten Episode seines in Entwicklung befindlichen Titels Bright Memory, der seit rund 2 Wochen in den Steamcharts ganz weit oben rangiert und haufenweise positive Reviews seitens der Spieler vorweisen kann, einzutreten. Laut eigener Beschreibung investiert Xiancheng, selbst beinem Entwickler für Games angestellt, rund 5 Stunden täglich in das Projekt und konnte dank einer zusätzlichen Finanzierung durch Epic Games, die auf den Titel aufmerksam wurden, und unter Mitwirkung von externen Auftragsentwicklern die erste Episode als Early Acces auf Steam für den Preis von 5,69,- veröffentlichen. Warum sich das Ergebnis mehr als zeigen kann und an keinem Freund gepflegter und stylisher Shooterkost vorbeigehen sollte erfährt ihr in unserem Review zu Bright Memory für PC.

Klassische Science Fiction made in Asia

Storytechnisch gibt es in der rund einstündigen Episode, welche komplett in chinesisch vertont ist und englische Untertitel enthält, traditionelle SciFi Kost: die abtrünnige Söldnerin Shelia, die auf der Suche nach einem Artefakt ist, dass zwei parallel existierende Dimensionen vor dem Kollaps bewahren soll, wird bei dem Überfall von Truppen ihrer Ex Einheit rund um Söldner Cartner erwischt und verletzt. Dabei geschieht ein Unfall, welcher alle Personen in eine andere Dimension, die geographisch eine Insel über der Arktis darstellt, versetzt. Dort angekommen, muss Shelia nun Carter und seine Schergen aufhalten und anbei allerhand mysteriöse Monster besiegen, um das Gleichgewicht zwischen den beiden Welten zu bewahren.

Insgesamt bekommt ihr in der ersten Episode der fünf geplanten Teile klassische, aber durchwegs spektakulär und durchgestylte Standardkost geliefert, die einfach nur Spaß macht und am Ende des Kapitels ein zufriedenes Gefühl mit Lust auf mehr hinterlässt. Überhaupt weiß die Inszenierung mit ihren flüssigen Übergängen und der spektakulären Dynamik zu gefallen. Es ist beeindruckend zu sehen, was ein Mann mit einer Idee und ein wenig Mitwirkung von Aussen erreichen kann.

AAA-Gameplay mit hohem Wiederspielwert

Noch beeindruckender wird es beim Gameplay, denn das Level an Kampflow und die Spielmechanik ist man eigentlich nur von Vertretern wie Shadow Warrior 2 oder Serious Sam gewohnt: Ihr ballert und schnetzelt euch mittels verschiedener Aneinanderreihungen von Kombos durch die diversen Gegnerhorden, so dass ihr am Ende des Kampfes ein gewisses Ranking und eine Punktezahl erhaltet. Je nach Skill bekommt ihr auch mehr XP, welche ihr anschließend für verschiedene passive Boni oder zusätzliche Fähigkeiten freischalten könnt, die euch in Anbetracht des doch fordernden Schwierigkeitsgrades nützlich sein werden.

Geübte Spieler können mit der Episode zwar auch schon in etwas über 30 Minuten durch sein, aber der absolute flüssige Ablauf und das arcadelastige Punktesystem lädt zum mehrmaligen Durchspielen und der Jagd nach einem Highscore ein. Überraschend ist vor allem die problemlose und zielgenaue Steuerung sowie die akkurate Verteilung von Hitboxen, die ein AAA-Titel eigentlich nicht besser hätte machen können. Auch hier fragt man sich wieder: wie schafft es eine Person mit etwas Unterstützung und Geld, so etwas qualitativ hochwertiges im Early Access auf die Beine zu stellen?

Natürlich darf eine kleine Anekdote an düstere Lagerfeuergeschichten nicht fehlen 😉

Technisch sehr gut, wenn auch noch eben noch eine Alpha

Technisch folgt dann auch schon die nächste Überraschung: Bright Memory sieht für seine Verhältnisse unglaublich gut aus, glänzt durch schöne Modelle, sauberes Antialiasing und sanftes Motion Blur. Wir hatten auf unserem Testgerät bei einer Auflösung von 1080P und maximalen Details fast durchwegs 60FPS mit kleinen Ausreissern in Richtung der 50 Bilder pro Sekunde.

Neben einem doch spannenden Soundtrack, der ebenfalls auf ganzer Linie zu überzeugen weiß sowie der butterweichen Steuerung, gab es dann aber doch noch ein paar kleine technische Schnitzer: Insgesamt stürzte Bright Memory doch zweimal auf unserem System ab beziehungsweise konnte eine geskriptete Szene nicht laden. Die Aussetzer sind aber in Anbetracht der Early Access Phase und des eigentlich gewaltigen Preis/Leitungsverhältnisses aber kein wirklicher Kritikpunkt. Ausserdem wird das Spiel regelmäßig mit Updates versorgt und FYQD sucht jetzt aktiv nach fixen Mitgliedern, damit das Projekt mit einem professionellem Feinschliff beendet wird. Wir wissen nicht, wieviel Hilfe Xenchiang hier tatsächlich erhalten hat, aber eines ist klar: Bright Memory Episode 1 ist ein verdammt gutes Spiel zu einem verdammt kleinem Preis.

Fazit

Bright Memory ist ein spielerisch tadelloser Shooter in der Early Access Phase, welcher dank stylisher Inszenierung und sehr gut umgesetzter Gameplaymechaniken so manchen AAA-Shooter angesichts des hohen Wiederspielwerts und des geringen Preises alt aussehen lässt. Freunde arcadelastiger Ballereien mit spektakulären Highscorejagden kommen an Bright Memory nicht vorbei.

Positiv

+ gut funktionerendes Gameplay

+ spektakulärer Kampflow

+ hoher Wiederspielwert

+ sehr gute Grafik

+ technisch sauber umgesetzt

Negativ

– derzeit noch kleinere technische Probleme und Abstürze

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Written by: Patrice Naderi

Multikonsolero, Film- und Seriennerd aus Leidenschaft, Technikjunkie, Comicsammler, Sportfan und Müslivernichtungsmaschinerie.