WWE 2K18 Review – Endlich ein Schritt in die richtige Richtung

Ein neues Jahr, ein neues WWE-Game. 2K Sports hat es sich in der Vergangenheit leicht gemacht und im Prinzip immer nur das vorhergehende Spiel der Reihe mit ein paar kleinen Änderungen kopiert. Was bei anderen Sportsimulatoren (z.B FIFA oder NBA) vielleicht funktionieren mag, aber gerade bei Wrestling fallen schnell angestaubte Grafiken und ein veraltetes Steurungssystem auf. Bei der neuesten Iteration scheint es jedoch so als hätte man diesmal endlich einen kleinen Schritt vorwärts getan. Zumindest auf dem Papier,

Sofort fällt auf, dass die Wrestler in WWE 2K18 nochmal um ein ganzes Eck besser aussehen als in WWE 2K17: Lichtreflexe auf der verschwitzten Haut, natürlichere Bewegungen, Muskeln, die sich unter Anstrengung anspannen. Auf der Kehrseite muss man auch anmerken, dass Yuke´s bei manchen der Charaktermodellen geschlampt hat und die betreffenden Gesichter dieser Charaktere ihren realen Gegenstücken nur ganz entfernt ähnlich sehen und man sie eher über ihr Kostüm identifizieren muss. Ironischerweise gibt es selbsterstellten Figuren von Fans zum Download, die wesentlich besser aussehen, als die Modelle, die bereits im Spiel enthalten sind, da der Create a Character-Modus enorm verbessert wurde und noch mehr Assets zur Verfügung stellt.

Ein Stormtrooper, Jason Vorhees, Col. Sanders, Bane, Batman, Donald Trump, Son Goku und Raphael begegnen sich im WWE-Ring

Zu den weiteren Dinge zum Selberbasteln zählen der Einzug, das Moveset, der Titelgürtel, die Arena und seit neuestem auch das Wrestling-Match selbst. Wer nun aber denkt, er könnte ein 40 Mann Eliminaton Match ohne Disqualifikation erstellen, wird enttäuscht werden: Die Möglichkeiten bleiben im Bereich des Logischen, Matchoptionen die nicht kompatibl sind oder sich gar widersprechen werden ausgegraut und sind nicht anwählbar. Das Highlight unter den Matcharten ist allerdings der Backstage Brawl. Hier wird nicht im Ring gekämpft, sondern in einem offenen Bereich hinter den Kulissen, der in mehrere Sektionen unterteilt ist. Eine Parkgarage, mehrere Büroräume, ein Cateringbereich und einige weitere Zimmer bieten einem die Möglichkeit seinen Gegner in allerlei Gegenstände rennen zu lassen oder ihn mit herumliegenden Objekten zu schlagen. Falls die Wrestler sich weiter voneinander entfernen, wird der Bildschirm zur besseren Übersicht in einen Splitscreen geteilt.

John Cena rennt durch die Gänge um Triple H zu erwischen

Neben dem regulären Exhibition Mode bietet WWE 2K18 auch wieder der WWE Universe Mode (der seit seiner Einführung in den vergangenen Spielen bis heute fast unverändert geblieben ist) und den Standard Online-Modus an. Der 2K Showcase, in dem man reale Matches getreu nachspielen musste, feiert leider keine Rückkehr, stattdessen hat Yuke´s eine Verbesserung des My Career Mode versprochen. Dort muss man sich zu Beginn seinen eigenen Charakter erstellen, um dann mit ihm die Karriereleiter in der WWE hinaufzuklettern. Zusätzlich zu den Matches muss man regelmäßig Promos halten um seine Bekanntheit zu steigern, indem man das Publikum entweder beschimpft oder es für sich gewinnt. Die Promos sind allerdings nicht synchronisiert und einigermaßen unverständlich, so dass es unklar ist, welchen Satz man als nächstes verwenden sollte. Das Ganze wirkt wie laienhaftes Textadventure mit klischeehaften Antworten.

The Miz macht sich beim Publikum unbeliebt

Das Online-Gegenstück zu My Career ist der Road To Glory-Mode, wo man online gegen andere Spieler und ihre selbsterstellten Figuren antritt. Gewinnt man öfters, qualifiziert man sich für eines der großen Wrestling-Events (die an festgelegten Tagen stattfinden) und darf dort gegen einen ähnlich erfolgreichen Mitstreiter antreten. Regelmäßige Siege dort so wie im My Career Mode bringen Punkte ein, mit denen man seinen Charaktern aufbessern kann oder zusätzliche Wrestler für die Exhibition freischaltet. Da ein Großteil des Rosters gar nicht von Anfang an spielbar ist, sondern erst mühsam mit Punkten erspielt werden muss,. ist es einem Casual Gamer so gut wie unmöglich, alle der viel zu teueren Wrestler (darunter Favoriten wie The Rock oder Stone Cold Steve Austin) freizuschalten. Wenn man diese sofort haben möchte, muss man erst ein DLC im Store kaufen, dadurch wirkt es wie eine unverschämte Abzocke der Entwickler.

Zu Beginn erhält man 30.000 Punkte, die aber nur für 10 Wrestler der unteren Preisklasse reichen…

Natürlich ist es möglich sich die ganzen Punkte selbst zu verdienen, man muss dafür aber enorm viel Zeit in Road To Glory oder My Career investieren. Hervorzuheben ist noch, dass es Nebenquests in letzterem gibt, welche die lineare Hauptstory (Free Agent>NXT>Main Brand>Main Event>WWE Champion) etwas auflockern sollen. Diese können von NPCs im frei begehbaren Backstage-Bereich angenommen werden und verschiedene Ziele haben: Manchmal soll man einen anderen Wrestler während einer Promo attackieren oder einen Rookie im Ring managen. Viele der NPCs backstage haben aber in Wirklichkeit überhaupt nichts zu sagen und wimmeln einen mit einer Floskel ab.

The Rock hat zu Beginn nicht wirklich etwas mitzuteilen

Zusammendfassend ist zu sagen, dass WWE 2K18 ein paar gute Ideen enthält, die leider eher schlecht als recht ausgeführt wurden. Vor allem der My Carrer Mode, der den Spieler über längere Zeit beschäftigen soll, war in den Vorgängern fürchterlich repetetiv und bleibt dies auch jetzt noch, obwohl man sich bei Yuke´s eindeutig Gedanken darüber gemacht hat. Das Halten von Promos wirkt dilettantisch überzogen und die Sidequests sind zum Teil verwirrend oder soagr verbuggt. Immerhin besser als die alten Interviews, in denen man immer aus den selben vier Antworten wählen konnten und die rein gar nichts zu der Handlung beitrugen. Positive Erwähnung erhält die Möglichkeit zur Modifikation der Matchparameter. Wem das Submission-System nicht gefällt, kann stattdessen ein anderes wählen und falls man mit der Reversal-Leiste nicht zufrieden ist, kann diese einfach abgeschaltet werden. Einzig die Erschöpfungsleiste lässt sich nicht ausblenden, wodurch man durch ständiges Rennen oder zuviele durchgehende Moves immer in die Knie gezwungen wird. Es werden wie jedes Jahr ein paar Wrestler hinzugefügt, damit auch jedes Jahr gesagt werden kann: “Der größte Roster aller Zeiten”. Dabei sollte aber beachtet werden, dass viele der Wrestler mehrmals mit verschiedenen Kostümen und Movesets enthalten sind (Undertaker und Mick Foley sogar bis zu viermal!), was allerdings auch positiv gesehen werden kann, wenn man eine bestimmte Version der aktuellen vorzieht.

Falls Yuke´s uns 2K Sports sich die Mängel dieses Spiels zu Herzen nehmen und endlich einen richtigen Story-Mode einbauen und dem Spieler nicht die, sich ständig wiederholenden, Szenarien aus dem My Career vorsetzt, könnte man mit WWE 2K19 endlich zu dem Glanz alter Wrestlingspiele (Here Comes The Pain für PlayStation 2) zurückkehren. WWE 2K18 hingegen bleibt nur der Vorsatz und Hoffnungsschimmer auf ein besseres WWE-Spiel.

Written by: Julian Bieder

Retro-Zocker, Gwent-Experte und eifriger Trophäenjäger

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