Sonic Forces Review – Mit Vollgas im Durchschnitt

Das Franchise rund um das Maskottchen von Sega steht seit Jahren in der Kritik auf einem Fleck stillzustehen. Hierbei hört man immer wieder das Argument, dass die Serie (und speziell ihre Ableger aus dem 3D Bereich) seit Sonic Adventures 2 schon an Innovationsarmut und der Problematik, ihren Hauptdarsteller cooler wirken lassen zu wollen als er ist, leidet. Einzig Sonic Generations von 2008, Sonic Colours von 2009 und die im Sommer diesen Jahres erschienene Retrohüpferei Sonic Mania konnten Kritiker als auch Fans zufriedenstellen und gute Wertungen einheimsen. Nun wagt Sega einen weiteren Anlauf in Sachen 3D Sonic und versucht mit Sonic Forces wieder an alte Erfolge anzuknüpfen. Ein attraktiver Preis von 39,99,- und viel Marketing sollten ihren Teil dazu beitragen. Wie das ganze am Ende des Tages aussieht erfährt ihr in unserem Review zu Sonic Forces

Die Story – Geschickt kombiniert, durschnittlich erzählt

Sonic Forces besitzt eine Story, die ungewöhnlich düster für Segas Vorzeigeheld ausfällt: Sonic wird bereits in der ersten Stage von Dr. Eggman alias Dr. Ivo Robotnik und einem Superschurken-Ensemble bestehend aus Sonics größten Gegenspielern vernichtend geschlagen, die Welt daraufhin unterjocht und Sonic in ein Gefängnis gesteckt, wo er seiner „gerechten“ Strafe zugeführt werden soll. Unter Knuckles, alten Mitstreitern wie Amy und einem neuen Rekruten formiert sich ein Widerstand im Untergrund. Auf der anderen Seite überlebt ein von Depressionen und Hoffnungslosigkeit gezeichneter Tails einen Angriff von Dr. Robotniks Schergen dank des plötzlichen auftauchens von „Oldschool-Sonic“ aus dem Sonic 2D Universum und macht sich mit ihm auf die Suche nach dem modernen Sonic.

Was auf dem Blatt wie ein geistiger Nachfolger zu Sonic Generations klingt äußert sich in der Realität etwas ernüchternder als man denkt. Das Storytelling wirkt über die gesamte Spielzeit doch recht standardisiert, hat aber mit Sonics plumpen Sprüchen für so manchen Schmunzler bei uns gesorgt. Auch wenn die Story über die gesamte Spielzeit hinweg nicht aus dem Durchschnitt entkommen kann hat Team Sonic die Welten von Sonic Mania und Sonic Forces auf eine geschickte Art und Weise miteinander verbunden.

Wenig Neuerungen treffen auf Gameplay mit Autopilot und schweren Designschnitzern

Gameplaytechnisch erwartet euch genau das, was man seit Sonic Generations von der Serie erwarten kann: Es folgen hektische 3D Passagen, bei denen Sonic nach vorne läuft auf klassische 2D Bereiche wo ihr den blauen Igel wie in guten alten Zeiten steuert. Nun ja fast: Lediglich die Levels mit Oldschool-Sonic versprühen einigermaßen den Charme der alten Tage, da hier auf Aiminig- und Autoattacken verzichtet wird und ihr ganz klassisch die Gegner mit einem Sprung auf den Kopf besiegen müsst.

Mit dem Sonic der moderne fällt das Geschwindigkeitsgefühl in den 2D Passagen weg, ihr visiert eure Gegner an und besiegt diese mittels Knopfdruck in einer Dashattacke. Die wirklich erwähenswerte Neuerung stellt der unbekannte Rekrut des Widerstands dar: diesen erstellt ihr euch in Form eines Avatars aus einer äußerst umfangreichen Sammlung von Vorlagen und kämpft ausschließlich mit einer Handfeuerwaffe, welche verschiedene Formen von Munition verschießen kann. Hier hat uns Sonic Forces sehr überzeugt, da die überraschend große Auswahl von Kleidungsstücken und die unterschiedlichen Skills der Waffen doch sehr zum experimentieren eingeladen kann.

Der letzte Baustein beim Gameplay von Sonic Forces sind Quicktimeevents, die meistens am Ende eines Levels vorkommen und durchaus ansprechend bis teilweise sehr hübsch inszeniert sind.
Das große Problem all dieser Mechaniken ist ihr fast schon automatisierter Ablauf: Über weite Strecken habt ihr de facto minimalste Kontrolle über Sonic und sprintet quasi schon im Eiltempo durch die 30 Levels, so dass ihr nach knapp fünf Stunden schon den Abspann sehen könnt. Durch das nach vorne gerichtete und dadurch lieblos wirkende Leveldesign bleibt am Ende viel Ernüchterung.

Ein gutes Jump N`Run lebt von einer guten Steuerung und hier gleicht Sonic Forces streckenweise einem Disaster: Wir hatten mit Input Lags, toten Eingabefeldern und einer schwammigen Steuerung zu kämpfen und so arteten eigentlich sehr einfache Bosskämpfe aufgrund des Umstandes, dass eure Charaktere auf normalen Flächen wie auf Glatteis herumrutschen in Frust und Ärgernis aus.

Stabile Performance und gruselige Synchronsprecher

Zwar hat Sonic wie eingangs erwähnt mit einer schwammigen Steuerung, einem langweiligen Leveldesign und einer teils gruseligen Inszenierung der Story zu kämpfen, allerdings hinterlässt die Performance wiederum einen stabilen Eindruck: Die von uns geteste Version für Nintendo Switch lief auf konstanten 30 FPS bei 720P, hat aber teils unterdurchschnittlich karge Texturen sowie wenig Licht- und Schatteneffekte. Die Auflösung von 720P wirkt vor allem im TV Modus etwas grob. Die Animationen der Charaktere sind hingegen durchaus gelungen und witzig in Szene gesetzt.

Bei einem kurzen Blick auf finale Fassung der PS4 Version zeigte die Hedgehog Engine 2 ihre Muskeln: Sonic Forces sieht auf den großen Heimkonsolen wirklich hübsch aus und macht Dank des aktivierten Antialising und dem kontrastreicheren Gesamtbild optisch eine richtig gute Figur.

Soundtechnisch bekommt ihr zwar vollvertonte Dialoge geliefert, allerdings wirken diese auf Englisch extrem bemüht “cool” und auf Deutsch bekommt man den Eindruck, dass die Texte von den Synchronsprechern bis auf wenige Ausnahmen stur runtergerattert wurden. Der Soundtrack siedelt sich zwischen Orchestermusik, spritzigen J-Pop Songs, Liquid Drum N Bass und hochtonigen Synthesizergeballer ein und könnte ambivalenter nicht sein: Wenn die orchestralen Töne aufkommen oder die Sanftheit von Liquid Drum N Bass die Gehörgänge einbalsamiert weiß das durchaus zu gefallen, aber wenn die teils schon arg hohen Synthesizermelodien anstarten hat uns das schon ein wenig in den Ohren geschmerzt.

Es steckt auch gutes in ihm

Trotz all der Kritikpunkte hat uns Sonic Forces motiviert dranzubleiben und das Abenteuer bis zum Schluss durchzuziehen. Tatsächlich haben wir uns auch über weite Strecken gut unterhalten gefühlt. Sonic Forces ist beileibe weit entfernt vor einem Totalausfall, schafft es aber nicht den blauen Kultigel aus der Stagnation, in der sich das Franchise schon seit geraumer Zeit befindet auszubrechen. Wir hatten auch viel Spaß in all der Zeit, allerdings haben die zu stark automatisierten Abläufe und die schnell durchgeflitzten Level Sonic Forces leider zu einem Durchschnittserlebnis gemacht. In Anbetracht des Preises von 40€ darf man aber getrost zuschlagen, wenn man Fan des blauen Igels ist oder ein nettes Jump N`Run für seine Sammlung sucht.

Fazit

Durchschnittliches Storytelling, eine schwammige Steuerung und teils liebloses Leveldesign verwehren Segas blauem Igel den Zutritt zum Jump N`Run Olymp. Trotz allem bleibt Sonic Forces ein kurzweiliges und unterhaltsames Spiel und sorgt dank lustiger Sprüche für gute Laune.

Positiv

+ Witzige Zusammenführung der Sonic Universen

+ Kurzweilige Momente mit Spaßfaktor

+ Stabile Performance

+ Hübsch inszenierte Quicktimeevents

+ Fairer Preis

+ Viele Anpassungsmöglichkeiten für euren Avatar

Negativ

– Durschnittliches Storytelling

– Schlechte Synchronisation

– Schwammige und fehlerhafte Steuerung

– Teils sehr langweiliges Leveldesign

– Stark automatisiertes Gameplay

Written by: Patrice Naderi

Patrice hat das Gaming vor rund 26 Jahren für sich entdeckt und verfolgt alles rund ums Thema Zocken und die Nerdkultur mit großem Interesse. Sein Interesse reicht von den großen AAA-Titeln bis hin zu den kleinen Indiespielen. Abseits davon ist er generell ein Technikjunkie, mag Sport und natürlich Cereals.

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