Sine Mora EX PS4/Xbox One/Nintendo Switch/PC Review – Willkommen in der Shmup Hölle

Ende der 80er und Anfang der 90er ist ein heute fast schon in Vergessenheit geratenes Genre ein fester Bestandteil des Mainstreams in der Gamingkultur gewesen: Shoot em Ups. Zwar erscheinen heute noch regelmäßig neue Games dieses Genres von kleineren Studios, so werden diese Releases aber kaum noch wahrgenommen. Gerade das macht Sine Mora EX des österreichisch-schwedischen Publishers THQ Nordic, welches seinen Release bereits am 14.08 für die PS4, Xbox One und den PC sowie am 07.10 für die Nintendo Switch hatte, umso interessanter. Warum der Rerelease dieses 2012 gefeierten Shooters eine gute Idee war und Sine Mora EX mit frischen und neuen Ansätzen vor allem Fans von unkomplizierter Action und Highscorejagden gefallen könnte erfährt ihr in unserem Test.

Starfox meets Steampunk und endloses Leid

Sine Mora wurde von dem ungarischen Studio Digital Reality (welches 2012 aufgelöst wurde) in Zusammenarbeit mit dem japanischen Studio Grasshopper Manufactures, welche für das komplette Artwork und Design zuständig waren, entwickelt.

Im Kern ist das Spiel ein klassischer Bullethellshooter (Anm: Es handelt sich hierbei um ein Subgenre des traditionellen Shoot em ups, bei dem man einer schier endlosen Anzahl von gegnerischen Geschoßen ausweichen muss; Beispiele hierfür wären DoDonPachi und in gewissen Teilen auch Ikaruga) aber hat jedoch einen markanten Unterschied zu anderen Vertretern dieses Genres: es besitzt eine vollständige Story, welche so interessant wie verwirrend und vor allem deprimierend zugleich ist.

Kurz zusammengefasst befinden wir uns in der Fantasiewelt Seol, welche von Humanoiden Tierwesen bevölkert ist. Zwei Nationen stehen sich jedoch in einem offenen Konflikt gegenüber: Das ultra-faschistoide Layil Imperium und die aristokratischen Enkies, welche die besondere Begabung beherrschen beliebig durch die Zeit reisen zu können. Aus Gier nach dem Wissen für diese Technologie greift das Layil Imperium die Enkies an, wodurch eine sehr düstere Geschichte in einer abschreckend grausamen Welt beginnt. Hier ein paar Schlagwörter aufgezählt um die Dunkelheit der Story zu erfassen: Nuklearattacken, Mord, Vergewaltigung, Genozid, Trauer, Hass, Rache, Konzentrationslager, Euthanasie und ritueller Selbstmord sind nur ein paar der Dinge, die man in den volltertonten Mono- und Dialogen (wahlweise im Original auf ungarisch oder neu durch Englisch) erzählt bekommt. Garniert wird das ganze durch ein wirklich sehr hübsches und gelungenes Steampunk Artwork, dass zu jeder Sekunde überzeugen kann. Insgesamt erlebt ihr die Story aus zwei Perspektiven mit verschiedenen Charakteren in zwei unterschiedlichen Zeitlinien, was im ersten Moment zur Verwirrung führt die sich aber dann recht schnell auflöst.

So toll Sine Moras erstes Alleinstellungsmerkmal ist so viele Probleme bringt es auch mit sich: Man hat schlicht und einfach zu viel Text zum lesen und die Vertonung ist leider sehr schwankend in ihrer Qualität, wodurch einfach zu viel untergeht. Erst nach dem zweiten Anlauf konnten wir gewisse kleine, aber feine Details , welche in der Daueraction untergehen, auch wirklich verstehen. Hier hätte man definitiv noch am Audiomix nachbessern sollen.

Alles was einen guten Aufenthalt in der Bullethell ausmacht

Abgesehen davon bekommt ihr mit Sine Mora Ex einen ausgezeichneten Shooter mit einem abwechslungsreichen Leveldesign und interessanten Mechaniken geboten: Je nachdem ob ihr Gegner besiegt oder getroffen werdet verliert beziehungsweise gewinnt ihr Zeit. Ist der Countdown bei Null verliert ihr ein Leben und müsst vom letzten Speicherpunkt neu starten. Damit ihr nicht nur mit den Reflexen eines Jedis in der Kugelhölle überleben könnt gibt es die Möglichkeit die Zeit zu verlangsamen um so Treffer vermeiden zu können. Durch das sammeln verschiedener Orbs in verschiedenen Farben könnt ihr die besagte Zeitkapsel wieder aufladen, eure Schusswaffen verbessern, Munition für einen Superangriff ergattern und natürlich auch Zeit gewinnen.

Absolutes Highlight sind jedoch die Bosskämpfe, die sehr abwechslungsreich und teils wirklich fordernd sind. Von mechanischen Riesenlibellen hinüber Cybertaranteln und Riesenlokomotiven, die den gesamten Bildschirm zuballern findet ihr alles was das Shooterherz begehrt.

Damit nicht nach dem 3-Stunden andauernden Storymodus Sine Mora Ex im Regal verstaubt gibt es etliche Modi, die besonders die Highscore und Achievementhunter unter euch motivieren werden: Der Arcademodus ändert die Bedingungen auf maximal 3 Leben pro Welt ab und schraubt den Schwierigkeitsgrad auf Schwer hoch, was das gesamte Spiel zu einer richtigen Challenge macht. Wer sich hier immer noch unterfordert fühlt oder den Chuck Norris raushängen lassen möchte findet bestimmt gefallen an den teils brutalen Herausforderungsleveln, bei dem euch alles abgefordert wird. Hier ist an ein Überleben ohne die richtige Dosis aus Feuerkraft, Ausweichfertigkeiten und dem Mikromanagement der Zeitkapsel und den Smartbombs gar nicht denken.

Grafisch Top, Soundtechnisch Flop

Optisch hinterlässt Sine Mora EX einen super Eindruck: Zwar hat die Ballerei 2012 schon gut ausgesehen aber dafür läuft das Geschehen jetzt absolut ruckelfrei mit 60 FPS ab. Speziell bei Bosskämpfen und vielen Explosionen entfaltet das Artwork und das saubere Grafikgerüst sein volles Potenzial.

Bei der Steuerung gibt es auch nichts zu sagen: alles funktioniert punktgenau und die angegebenen Hitboxen der Schiffe werden korrekt erkannt.
Beim Ton hingegen läuft es wie bereits oben erwähnt nicht so rund: Alles wirkt sehr hohl vom Klangbild und die Dialoge sind teilweise sehr unverständlich. Auch das Musikgerüst will irgendwie nicht so ganz zum Setting und der düsteren Story passen.

Zwar wurde der PS4 Version ein Pro-Patch verpasst aber die Unterschiede zur Xbox One Fassung sind mit Ausnahme der 4K Auflösung kaum bemerkbar. Die Version für Switch läuft ebenso stets in flüssigen 60FPS ab, hat aber keine Kantenglättung aktiviert was dem Spaß aber keinen Abbruch tut. Gerade im Handheldmodus ist Sine Mora Ex für die schnelle Runde zwischendurch eine tolle Erfahrung.

Fazit

Grandioser Bullethellshooter mit interessanten Features und einer düsteren Story von der man leider aufgrund technischer Mankos zu wenig mitbekommt. Trotzdem ein ungeschliffener Diamant, den jeder Shooterfan auf jeden Fall einmal ausprobieren sollte.

Positiv

+ Tolles Artwork

+ Erstklassiges Gameplay

+ Verschiedene und abwechslungsreiche Modi

Negativ

– Mäßiger Audiomix

– Träger Soundtrack

– Story teilweise unnötig verwirrend

Written by: Patrice Naderi

Patrice hat das Gaming vor rund 26 Jahren für sich entdeckt und verfolgt alles rund ums Thema Zocken und die Nerdkultur mit großem Interesse. Sein Interesse reicht von den großen AAA-Titeln bis hin zu den kleinen Indiespielen. Abseits davon ist er generell ein Technikjunkie, mag Sport und natürlich Cereals.

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