Papers, please PC Review

Papers, please ist ein seltsames, aber besonderes Spiel, welches mit wenigen Stilmitteln eine Atmosphäre schafft, die unter die Haut geht. Wie der Indie-Titel das schafft und was Papers, please sonst noch zu bieten hat, erfahrt ihr hier in unserem Test.

 

Die Verwandlung

In Papers, please spielen wir einen Grenzbeamten, der für sein Heimatland in der streng geführten Diktatur von Arstotzka arbeitet. Diesen Posten übernehmen wir aber nicht freiwillig, NEIN!, er wurde uns von der Arbeitslotterie zugeteilt. Wir kontrollieren daher den ganzen Tag Pässe von Leuten, die in einer enorm langen Schlange warten, und überprüfen dabei, ob die Papiere gefälscht sind oder andere Probleme vorliegen. Dabei gibt das Spiel aber keine Auskünfte, warum alle Einreisenden so genau kontrolliert werden müssen. Wir erfahren nichts, wir sind nur ein winzig kleines Rädchen in einem riesigen Beamtenapparat. Dabei liegt auch genau die Stärke von Papers, please. Der Indie-Titel schafft ein Gefühl der Bedrückung hervorzurufen, sodass man all diese Leute gar nicht abweisen möchte, aber man hat keine Wahl, denn am Ende jedes Tages bekommt der Grenzbeamte Geld für richtige Entscheidungen. Bei drei oder mehr falsch abgewiesenen oder fälschlicherweise eingelassenen Personen folgen Strafzahlungen, doch dabei hat der ärmliche Grenzbeamte eine Familie durchzufüttern. Als wäre das noch nicht schwer genug, müssen wir natürlich auch für Wohnungs- sowie Heizkosten und Medikamente aufkommen. So lernen wir das Geräusch des Telegrafen, welches bei Fehlentscheidungen auftritt und uns mit einer Warnmeldung versorgt, regelrecht zu hassen. Das Spiel schafft es, wo zu Beginn noch Mitleid mit den Mitmenschen herrscht, aus dem Spieler eine Beamtenmaschine zu machen, die nur noch so schnell wie möglich richtige Entscheidungen treffen möchte und einen die Menschen dahinter vergessen lässt.

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Kleine Welt

Dabei findet das gesamte Spiel im Retro-Look auf einem kleinen, viel zu engen Schreibtisch statt. Der erste Tag beginnt und ein Regelbuch liegt vor uns, welches besagt, dass wir nur Leute mit arstotzkischem Pass einreisen lassen dürfen. Alle anderen müssen draußen bleiben! Der Anfang ist noch simpel, es kommen aber täglich neue Regeln hinzu, welche uns das Leben deutlich erschweren. So muss man später überprüfen, ob das Passfoto mit der Person übereinstimmt, ob der Pass noch gültig ist oder ob sich sonst eine andere Art von Fälschung eingeschlichen hat.  Natürlich wird in Arstotzka von Privatsphäre nicht viel gehalten und mit einer Art „Nacktscanner“ gearbeitet, um zu überprüfen, ob die Anwesenden eine Waffe oder eine Bombe mit sich tragen. Das Spiel wird mit andauernder Zeit immer fordernder und komplexer, was uns aber umso mehr freut, wenn wir geschickt gemachte Fälschungen aufdecken können.

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Glory to Arstotzka!

Es gibt keine Zwischensequenzen, alles findet in der Nähe der Grenze am Schreibtisch des Beamten statt. Nur am Ende des Tages zeigen uns Zeitungsberichte, was in und um Arstotzka geschehen ist. Dabei bestraft uns Papers, please für falsche Entscheidungen mit Attentaten und Bombenexplosionen, welche wir am Grenzübergang selbst mitbekommen. Die Grafik ist sehr einfach gestrickt und z.B. die Familie, die wir täglich am Leben erhalten versuchen, wird nur in Kreisen und Tabellenform dargestellt (die Familienmitglieder werden mit Adjektiven wie „krank“, „hungrig“ oder „kalt“ beschrieben). Trotzdem fühlen wir uns für diese Personen sofort verantwortlich und empfinden auch Mitleid für sie. Durch seine Stilmittel schafft es das Spiel, trotz vieler Vereinfachungen sehr gut das Leid darzustellen und eine beklemmende und unangenehme Atmosphäre aufzubauen. Nicht zuletzt ist dabei auch der dumpfe Soundtrack des Spiels beteiligt, welcher mit den immer gleichen niederschlagenden Tönen auf unser Gemüt einhämmert.

 

Fazit

Papers, please belohnt den Spieler, wenn er rigoros und hart durchgreift, denn dadurch bekommt man mehr Geld und kann so das Leben der Familie sichern. Die Aufgaben, die einem das Spiel vorgibt, sind fordernd und motivieren zum Weitermachen. Trotzdem ist Papers, please nicht gerade ein „spaßiges“ Spiel. Das Fantastische daran ist aber, dass mich das Spiel zum Nachdenken bringt und mir meine eigenen menschlichen Grenzen aufzeigt. Genau in diesen Momenten zeigt Papers, please seine größten Stärken. Wir sind in einer Zeit, wo Videospiele nicht immer nur pure Unterhaltung liefern müssen, sondern auch kunstvoll in Szene gesetzt werden können und anregend auf den Spieler einwirken. Wer diese andere Seite kennen lernen möchte, der sollte Papers, please unbedingt eine Chance geben.

Hinweis: Papers, please ist momentan nur in englischer Sprache und auf Steam verfügbar!

 

8.5

 

Positiv

+ Bedrückende, aber eindrucksvolle Atmosphäre

+ Forderndes, spannendes Gameplay

+ Passender Soundtrack

Negativ

– Kann deprimierend sein (niemand möchte für so ein Land als Beamter arbeiten 😉

– Harter Einstieg

Written by: David Kolb

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