Mass Effect: Andromeda PS4 Review – Eine actionreiche Parodie der Serie

Als Beginn wäre wohl wichtig zu erwähnen, dass die furchtbaren Animationen vom neuesten Mass Effect Ableger das geringste Problem des Spiels sind. Wir können euch leider nicht wirklich sagen, was alles über die Jahre in der Entwicklung des Titels schief gelaufen ist, aber wir gehen natürlich näher auf die Eigenheiten des neuesten Mass Effect Ablegers im Test ein.

Ein neuer Anfang

Nach der großartigen Mass Effect: Trilogie, die auch eigens nochmal in einem kompletten Paket mit allen DLC’s für PS3 und Xbox 360 erschienen ist, musste die Serie neue Wege eingehen. Passend dazu hört man schon im Spiel „Andromeda is all about new beginnings, not holding funerals.“ was grob gesagt auch hinkommt, aber im Detail dann doch nicht ganz so sauber umgesetzt wurde. Ihr startet in Andromeda ähnlich wie in den bisherigen Ablegern in einer Citadel-ähnlichen Umgebung namens Nexus. Neben tausenden Menschen im Kälteschlaf, ist eure Truppe inklusive dem „Pathfinder“ auf Suche nach einem neuen bewohnbaren Planeten für die Menschheit in den Weiten der Andromeda Galaxie. Irgendwelche Referenzen so den bisherigen Ablegern finden sich leider nicht, daher hat man hier komplett mit den Vorgängern abgeschlossen, was das Spiel neben dem Titel wenig Ähnlichkeiten mit der Mass Effect Serie gibt.  Hier befindet sich auch das eigentliche Problem von Andromeda. Mass Effect hat bisher ein überwältigendes Storytelling und eine glaubhafte Welt ausgemacht. Bereits in den ersten Stunden merkt man aber, wie wenig Einsatz hier von den Entwicklern in diesen Bereich gesteckt wurde. Die Emotionen zu tragischen Ereignissen der Charaktere halten sich in Grenzen und auch sonst sucht man interessante Dialoge vergebens. Je weiter man im Spiel fortschreitet, desto deutlicher wird das Bild, was viele bereits in der Trial-Fassung des Spiels mitbekommen haben. Ein generischer Ablauf von leblosen Planeten die euch die bereits aus den ersten beiden Teilen verhassten Sudoku-like Glyphen-Rätsel in mehrfacher Ausführung liefern und ansonsten relativ wenig spektakuläre Aufgaben um die Ohren werfen.

PS4 Screenshot Mass Effect

Nachdem ihr die wiederholenden Aufgaben hinter euch gebracht hat, wird der jeweilige Planet ein Stück mehr erkundbar und ihr bekommt neue Aufgaben zu erfüllen. Auch hier unterscheidet sich Andromeda wieder von allen bisherigen Ablegern. Ihr wart bisher immer informiert was die Existenz eures Teams bedroht und hattet ein klares Ziel vor euch. Andromeda hingegen schickt euch auf leblose Planeten in der Hoffnung, dass ihr dort nach unzähligen zusammenhanglosen Aufgaben einen Planeten bewohnbar macht, für den ihr zum aktuellen Zeitpunkt nicht mal wirklich einen Nutzen sehen könnt. Auch die beliebten Dialog-Optionen der Serie wurden fragwürdig erweitert. Statt einer klaren Linie die euch entweder in eine positive oder negative Richtung entscheiden lässt, könnt ihr jetzt logisch, emotional, gewöhnlich oder professionell antworten. Vielfalt ist immer gut, nur wirken die Entscheidung absolut belanglos. Untermalt wird das Ganze dann noch von den wohl bereits bekannten, wirklich unterdurchschnittlichen Animationen und einigen technischen Fehlern. Andromeda bietet immer noch Unmengen an Inhalten und auch eine plausible Geschichte, aber durch die vielen Ungereimtheiten und technischen Probleme wird es einem wirklich schwer gemacht die Aufgaben und die Story zu genießen.

PS4 Pro Mass Effect

Auch die Erkundung der Galaxie wird laufend anstregender, da ihr von Planet zu Planet fliegt um teilweise nur ein paar Materialien durch einen Scan zu ergattern und dabei mehr Zeit mit den wiederholenden Reise-Animationen verschwendet, die noch dazu nicht überspringbar sind. Neben ungewöhnlich vielen Glitches und fehlerhaften Animationen, ist generell die gesamte Performance des Spiels einfach unsauber. Egal ob in Wänden steckende NPCs oder schaurige Reaktionen der Gesichter besagter NPCs trägt alles dazu bei, dass man schwer in die Welt von Andromeda eintaucht.

Gameplay Vielfalt und Multiplayer

Die größte Stärke von Andromeda sind die neuen Gameplay-Mechaniken. Neben den bisherigen Eigenheiten der Serie, wurde das Skill-System um einige nette Kombo-Möglichkeiten erweitert. Vor allem das neue Jet-Pack und die Möglichkeit auszuweichen, bringen einiges an Abwechslung in den teilweise doch sehr generischen Deckungs-Shooter. Es macht sehr viel Spaß mit den verschiedenen Fähigkeiten herumzubasteln und auch seine Ausrüstung mit diversen Mods zu erweitern um die richtige Mischung für sich zu finden. Auch die Gegner wirken etwas abwechslungsreicher als noch in den Vorgängern. Voll ausgenutzt werden die neuen Mechaniken auch im Multiplayer-Modus, der eigentlich identisch zum Multiplayer von Mass Effect 3 ist. Hier schickt ihr entweder eure Einheiten auf Missionen und hofft auf ihren Erfolg oder ihr stürzt euch selbst in den Horde-Modus mit bis zu 4 Spielern und kämpft gegen Wellen von Gegnern. Die ersten Stunden mit dem Multiplayer sind sehr fordernd ausgefallen, aber es warten einige Belohnungen für euch die ihr im Hauptspiel nutzen könnt und ihr könnt auch eigens im Multiplayer eure Level und Ausrüstung erweitern. Ein doch etwas spaßigerer Zeitvertreib als die vielen Nebenquests die auf euch im Spiel selbst warten.

Skill Tree Screesnhot

Auch die automatische Deckung funktioniert überraschend gut. Nachdem man sich an den manuellen Seitenwechsel mit dem R3-Button gewöhnt hat, ist in Deckung gehen wirklich sehr intuitiv. Die vielen Neuerungen im Gameplay unterstreichen auch welchen Weg hier Andromeda eingeschlagen hat. Es wirkt definitiv nicht mehr wie ein typisches Mass Effect Game, nur sollte man als Action-Fan dann hier doch eher Titel wie Destiny oder Halo vorziehen.

Fazit

Mass Effect: Andromeda ist leider nicht mehr als eine actionlastige Parodie der bisherigen Ableger geworden. Neben unzähligen technischen Problemen, fehlt es dem Titel ständig an einer klaren Richtung in die man die Serie führen will. Wer in Andromeda eine packende Story oder durchdachte Dialoge sucht, wird definitiv enttäuscht werden. Als Trostpflaster gibt es aber immer noch genügend Action und ein durchdachtes Gameplay.

Positiv

+ Gameplay Vielfalt durch neue Fähigkeiten und Kombinationen

+ Spaßiger Multiplayer-Part

+ Interessantes Skill-System

Negativ

– Unterdurchschnittliche Animationen

– Unsaubere Performance und Glitches

– Dialog-Optionen überzeugen nicht

– Story nimmt erst im letzten Drittel des Spiels an Fahrt auf

Written by: Gabriel Bogdan

Redaktionsleiter/Vernichter von Cornflakes und Vollzeit Gamer

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