Gran Turismo Sport PS4 Review – Ein Stockerlplatz auf den man nicht stolz sein sollte

Nach den soliden Leistungen von Forza Motorsport 7 und Project Cars 2 hatte Gran Turismo Sport einiges zum aufholen. Wie sich GT Sport im Rennen um das beste Racing Game 2017 schlägt, könnt ihr wie immer bei uns im Test nachlesen.

Prologue Version mit Online Fokus?

Nachdem man die unzähligen Challenges, Lizenprüfungen und Aufgaben in GT Sport entdeckt, könnte man anfangs fast meinen man bekommt hier einen vollwertigen Ableger der Serie. Nach wenigen Stunden wird man aber leider bereits eines besseren belehrt. Das Feature, was die Gran Turismo Serie schon immer von der Konkurrenz am meisten abgehoben hat wurde in seine Einzelteile zerlegt und in ein einfallsloses Sammelsystem verwandelt. Der Aufwand mit dem man sich noch in den letzten Teilen die halbe Garage mit neuen Wagen vollfüllen konnte, wurde jetzt durch die niedrige Strecken und Auto-Vielfalt sehr mager verpackt. Streckenabschnitte oder gesamte Rennen werden durch alle drei verfügbaren Abschnitte recycled und dürfen teilweise mehrmals mit den selben Wagen absolviert werden für ein wenig Credits und eine weitere Medaille. Der Reiz der alten Ableger ist somit komplett zerstört worden und das einzige Trostpflaster bleibt hier die optische Performance des Titels und die gezieltere Wagen-Auswahl. Es gibt jetzt nicht mehr 10 Variationen von einem Ford Fiesta oder Nissan Skyline, was gerade den Einstieg ins Spiels etwas simpler macht und vor allem zielstrebiger macht. Wenn ihr euch durch das Grind-System mit seinen hunderten Aufgaben durch gekämpft habt, wartet zumindest noch ein Arcade-Mode mit einer freien Streckenauswahl, ein VR-Mode für PlayStation VR Besitzer und ein 2 Spieler-Modus auf euch. Features wie das posieren für Fotos in diversen bekannten Schauplätzen oder auch der durch Hersteller und Regionen getrennte Auto-Markt untermalen zwar die optische Leistung von GT Sport, aber zeigen auch immer wieder auf, wie unübersichtlich und anstregend das Menü dieses mal ausgefallen ist.

PS4 Pro Screenshot GT Sport

Ob sich der Fokus auf Online Multiplayer und eSports als richtige Entscheidung herausstellt wird sich noch zeigen. Aktuell sind noch wenige Cups verfügbar und von einer Attraktivität die ein Project Cars 2 oder ein Forza hier etabliert hat, sind wir noch Welten entfernt. Nachdem man sich zwei eingebettete Youtube Videos zum Thema Sportsmanship angesehen hat, darf man seine ersten Rennen bestreiten. Die Spielersuche ist mit guten 4 Minuten recht flott und man kann sich davor schon mal im Qualifying einen guten Startplatz erarbeiten um die Zeit zu vertreiben. Trotz 12 Teilnehmer sind uns keinerlei Verbindungsprobleme oder sonstige technischen Schnitzer untergekommen. Leider war nach wenigen Runden hier auch bereits das Interesse verflogen. Alle die keine Karriere in GT Sport als eSportler anstreben, werden hier aktuell definitiv zu wenig angeboten bekommen um die Langzeitmotivation aufrecht zu erhalten und hier bleibt dann nur noch die bittere Tatsache, dass der Singleplayer wenig Anreiz für GT Fans bietet. Ohne wirkliche Karriere mit einer Struktur dahinter, fährt man nur noch belangloser Challenge zur nächsten und muss viel zu oft dieselben Abschnitte in einer ähnlichen Spielweise absolvieren.

Gran Turismo Sport Multiplayer

Optik als einzige Rettung

Was GT Sport dieses mal wirklich gut macht, ist wie bereits erwähnt die optische Präsentation des gesamten Spiels. Die Replay-Funktion ist gut durchdacht und jeder einzelne Wagen sieht richtig gut aus und kann trotz fehlenden 4K auch Forza Motorsport 7 die Stirn bieten. Der PS4 Pro und VR Support ist wie üblich für die Haus eigenen PlayStation-Titel sehr gelungen und lässt euch wie bereits bei NioH zwischen Auflösung und Framerate entscheiden. Spielerisch kann man GT Sport auch recht wenig vorwerfen. Es sind die klassischen Strecken vorhanden und die Herausforderungen wurden ein wenig erweitert um das, was GT Fans der ersten Stunde gewohnt sind. Leider wiederholen sich die Aufgaben viel zu oft und werden ziehen sich gegen Ende nur noch in die Länge. Das auffüllen eures Tanks und wechseln der Reifen wirkt dieses mal auch um einiges interessanter aufgebaut und wird in den späteren Challenges immer tragender. Ein gut gesetzter Boxenstopp kann ein Rennen entscheiden. Die KI wurde zum Glück wenig überarbeitet, was gerade Neueinsteiger behilflich sein kann, wenn man mal den Gegner als Bremse nutzen möchte. Ein wirkliches Schadensmodell gibt es weiterhin nicht, aber wird GT Fans nicht unbedingt abgehen, da man sowieso so gut wie in jedem Rennen für das abprallen lassen oder das verlassen der Strecke bestraft wird. Zusätzlich zur gelungenen Optik überzeugt auch wieder die Soundtrack-Auswahl.

Lizenzprüfung Gran Turismo Sport

Fazit

Gran Turismo Sport liefert zwar eine gute Leistung ab, hinkt aber dieses Jahr in allen Bereichen der Konkurrenz hinterher. Die fehlende Karriere und der fragwürdige Spiel-Aufbau werden Fans der Serie wohl am meisten schmerzen. Wer ein schönes und einsteigerfreundliches Rennspiel sucht, wird bis auf wenige Punkte dennoch seinen Spaß mit dem Titel haben.

Positiv

+ Grafik und Sound überzeugen durchgehend

+ Leichter Einstieg und gelungene Lernkurve

+ Solide Online Performance

Negativ

– Fehlender Karriere-Modus

– Wiederholende Herausforderungen durch magere Auto und Streckenauswahl

– Trotz starkem Online Fokus aktuell noch zu wenig Inhalte

– Unübersichtlicher Menü-Aufbau

Written by: Gabriel Bogdan

Redaktionsleiter/Vernichter von Cornflakes und Vollzeit Gamer

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