Elex PlayStation 4 Pro Review – Ein netter Versuch

Gothic Fans warten seit dem Release von Gothic 2 nach einem würdigen Anschluss an die erfolgreiche Serie von damals. Mit der Risen Reihe konnte man zwar einige Fans von damals gut bei Laune halten, aber die Titel sahen gegen die Konkurrenz leider meistens sehr alt aus und spielten sich auch dementsprechend. Entwickler Piranha Bytes verspricht mit Elex zumindest schon mal ein spannendes und frisches Setting anzugreifen und wir verraten auch im Test was der Titel sonst so zu bieten hat.

Umfangreiche Geschichte und Dialoge

Trotz unzähligen technischen und spielerischen Barrieren zieht euch die Story von Elex recht schnell in seinen Bann. Eine hoch entwickelte Zivilisation wird durch den Aufprall eines Meteors in verschiedene Völker zerschlagen und ihr findet euch in einer Fallout-like Postapokalypse wieder. Von mutierten Kreaturen über Mechs bin hin zu klassischen RPG-Völkern ist eigentlich alles vertreten. Der Protagonist von Elex ist Teil einer der vier Fraktionen im Spiel. Das durch den Meteor freigesetzte Elex wird nicht nur als Währung im Spiel verwendet, sondern bietet euch Völkern wie den Albs zusätzliche Kräfte. Der einzige Nachteil wie bei allen guten Dingen: Ihr werdet abhängig. Die anderen Völker unterscheiden sich hier relativ stark von einander und verbieten teilweise den Einsatz von Elex aus religiösen Gründen oder ignorieren es komplett und leben einfach ihr Berserker/Banditen Leben in der Natur. Im Gegensatz zur Elder Scrolls Reihe wirken die Dialoge mit den einzelnen NPCs wesentlich durchdachter und haben deutlich mehr Einfluss auf den Verlauf von folgenden Quest-Aufgaben und der gesamten Story. Die einzelnen Dorfbewohner reagieren auch sehr abwechslungsreich auf alles was ihr so anstellt. Ein herumschleichen wird sofort hinterfragt und wenn ihr in Gebiete eindringt wo ihr nicht sein solltet, werdet ihr gleich mal von Wachen verfolgt und verprügelt. Hier hört dann aber leider auch schon sehr interessante und spaßige Teil von Elex auf. Das Spiel ist nämlich nicht nur schon sehr unzugänglich und fordernd aufgebaut, sondern liefert euch neben den sehr simplen Mitteln auch technisch keinerlei Hilfestellung, aber dazu gehen wir noch näher im Gameplay-Teil ein. Rein von der Geschichte und dem Umfang her gesehen, ist Elex ein würdiger Gothic Nachfolger und wird euch mit der großen und offenen Welt von Magalan einige Stunden unterhalten können. (Wenn ihr euch darauf einlässt und viel Geduld mitbringt)

PS4 Pro Elex

Ein Geduldsspiel

Man muss bereits etwas ausholen um die ersten Stunden mit Elex gebührend zusammenzufassen. Ihr startet klassisch in einem niedrigen Level ohne jegliche Ausrüstung und werdet noch an der Hand genommen bis ins erste Dorf. Danach beginnt ihr eure ersten 10-20 Nebenquests zu erledigen um ein paar Skill Punkte zu verdienen, das gesamte Dorf kennenzulernen und einen Schlag mehr von allen (leichten) Gegnern der Welt zu überleben. Dieser Prozess hat uns gute 5-6 Stunden gekostet und war genug um die erste Hauptmission mit der Unterstützung eines Begleiters und einigen Tricks zu absolvieren. Primär ist gegen fordernde Titel absolut nichts einzuwenden und Fans von Piranha Bytes Spielen werden es bereits gewohnt sein, aber die Schwierigkeit ensteht hier eher selten gewollt. Die Spielmechanik an sich ist teilweise weit entfernt von last-gen Titeln wie Oblivion oder Fallout 3 und die hitboxen vor allem im späteren Spielverlauf mit Schusswaffen und stärkeren Nahkampf-Waffen absolut nicht mehr nachvollziehbar. Der actionreiche Ansatz ist zwar wirklich lobenswert, aber die Umsetzung ist mit unter das schlechteste was man wohl nicht mal in den letzten Jahren auf der PS4, Xbox One oder PC erleben durfte. Eine legitime Lösung um stärkere Gegner zu bezwingen ist sie einfach anzulocken und mit ihnen über die halbe Karte zu spazieren bis sie die Bewohner des nächsten Dorfes für euch bezwingen. Hier kann es aber oftmals gerne dazu kommen, dass euer Begleiter sich spontan dazu entscheidet einfach mal euch zu attackieren ohne einen Schaden abbekommen zu haben. Weiters verlangt ein Großteil der aller ersten Quests von euch über die halbe Weltkarte in ein neues Gebiet zu spazieren. Wäre auch eine nette Idee um Spieler zum erkunden der Welt zu motivieren, wenn dort nicht jeder zweite Gegner euch mit einem Schlag erlegen könnte.

Elex Menü

Auch das generelle leveln eurer Fähigkeiten ist sehr fordernd ausgefallen, aber durch das simple Menü deutlich verkraftbarer als das fragwürdige Gameplay. Wie bereits in älteren Piranha Bytes Spielen können euch nur bestimmte NPCs als Trainer neue Fähigkeiten beibringen. Notwendig dafür ist eine gewisse Menge an Elexit und die richtigen Skillpunkte. Das generelle reisen durch die Welt von Magalan ist dank dem von Anfang an eingebauten Jetpack sehr angenehm ausgefallen. Hier sind zwar wieder die Animationen wie beim restlichen Spielverlauf sehr gewöhnungsbedürftig ausgefallen, aber es erlaubt zumindest das schnelle überqueren von Schluchten und schwer zugänglichen Passagen.

Elex Test Screenshot

Grafik und Sound

Auch als Fan von Piranha Bytes mit dem Verständnis, dass man hier nicht das nächste Fallout, Skyrim oder Witcher 3 erwarten kann muss man bis auf gelungene Charakter Modelle und einer wirklich großen Spielfläche so gut wie alles bemängeln. Die Animationen sind in allen Bereichen ungenau und hölzern, der Sound einzelner Bewegungen/Gegenstände/Gegner/der gesamten Welt ist absolut grenzwertig und zerstört die eigentlich recht schöne Aufmachung der Welt. Vor allem das stöhnen des Hauptcharakters bei jeglichen Angriffen hätte eher eine Verwendung für eine Einspielung in Tennismatches finden können. Grafisch liefert Elex eigentlich eine solide Leistung auf der PS4 Pro. Bis auf vereinzelte kurze Frame Drops läuft der Titel einwandfrei und vor allem die kurzen Ladezeiten beim Schnellreise-System sind sehr angenehm. Ich sehe mich prinzipiell noch viele weitere Stunden mit Elex verbringen, aber von einem angenehmen oder erfüllenden Spielerlebnis sind wir hier noch weit entfernt.

Fazit

Als RPG oder Gothic Veteran kann man Elex für die interessante Geschichte auf jeden Fall eine Chance geben. Die unzähligen technischen Mängel und die Unzugänglichkeit für Neulinge machen es sehr schwer den Titel für andere Spieler zu empfehlen. Gerade durch das schwache Sound Design und das klobige Gameplay muss man hier ständig mit sich selbst kämpfen um den Titel durchzuhalten.

Positiv

+ Interessantes Setting/Geschichte

+ Umfangreiche Welt und Dialoge

Negativ

– Furchtbar implementierte Gameplay Mechaniken

– Grenzwertiger Sound und Animationen

– Fehlerhafte hitboxen

– Fragwürdiger Questaufbau/Fehlende Zugänglichkeit

Written by: Gabriel Bogdan

Redaktionsleiter/Vernichter von Cornflakes und Vollzeit Gamer

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